Angesichts des aktuellen Jodmangels unter Deutschen rät der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner (BDN) dringend, konsequent jodiertes Speisesalz in der Küche zu verwenden. Vor allem Schwangere und Personen, die sich rein pflanzenbasiert ernähren, müssten auf eine ausreichende Versorgung mit dem lebensnotwendigen Spurenelement achten. „Besonders gefährlich ist ein Jodmangel jedoch für Ungeborene und Kleinkinder“, betont Professor Dr. Markus Essler vom BDN.
Das Robert Koch-Institut (RKI) belegt mit Daten seines letzten Jodmonitorings, dass die Versorgung in Deutschland nach wie vor rückläufig ist – und zum wachsenden Problem wird. 32 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland weisen ein erhöhtes Risiko für eine Jodunterversorgung auf.
Die Grundlage bilden Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS). Als Indikator dient die Jodkonzentration im Urin, die bei Männern im Schnitt bei 69 µg/l und bei Frauen bei 54 µg/l lag. Damit unterschreitet Deutschland das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für eine ausreichende Versorgung von 100 µg/l deutlich und gilt medizinisch wieder als Gebiet mit milden Jodmangel.
Als Hauptgründe gelten veränderte Ernährungsgewohnheiten, wie beispielsweise der Trend zu mehr pflanzenbasierten Produkten. Gleichzeitig sei der Einsatz von Jodsalz in der Lebensmittelindustrie rückläufig.
Frühanzeichen für einen Jodmangel – etwa Müdigkeit und Konzentrationsstörungen, aber auch Gewichtszunahme, Haarausfall und depressive Stimmung – seien oft diffus. „Heiserkeit, Schluckbeschwerden und ein empfindlicher Hals sind dann schon eindeutigere Symptome“, erläutert Essler. Ob ein Jodmangel vorliegt, könne ein Urintest am Morgen klären. „Hausärztinnen und Hausärzte sind dann die erste Anlaufstelle für die weitere Abklärung.“
Die deutschen Referenzwerte liegen aktuell bei 150 µg Jod pro Tag für Jugendliche und Erwachsene. Ein erhöhter Bedarf gilt für Schwangere (220 µg täglich) und Stillende (230 µg täglich).
Bereits ein leichter Jodmangel wirkt sich negativ auf die kognitive Leistungsfähigkeit und den IQ aus. Sinkt die Zufuhr massiv unter die Empfehlungen, drohen körperliche Folgen: Die Schilddrüse kann sich vergrößern oder Knoten entwickeln.
„Besonders gefährlich ist ein Jodmangel jedoch für Ungeborene und Kleinkinder“, betont Essler. „Eine Unterversorgung in dieser Phase erhöht das Risiko für spätere Einschränkungen der intellektuellen Fähigkeiten und der Feinmotorik.“ Schon leichte Joddefizite in der Schwangerschaft können messbare IQ‑Verluste und Lernschwierigkeiten verursachen.
Essler betrachtet diese Entwicklung mit Sorge: „Typischerweise treten Schilddrüsenknoten erst im Alter auf. Jetzt aber schicken hausärztliche Praxen vermehrt auch junge Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter zu uns, die sich vegan ernähren.“
Werden Milchprodukte, Eier und Fisch ersatzlos vom Speiseplan gestrichen, drohen jungen Frauen Jodmangel und krankhafte Schilddrüsenknoten. „Wir erkennen die Patientinnen oft schon daran, dass sie mit großen Pulloverausschnitten im Wartezimmer sitzen, weil sie Rollkragen als störend empfinden und den Hals frei haben möchten.“
Eine vegane Ernährung erfordert besondere Aufmerksamkeit auf die Jodzufuhr – beispielsweise durch Jodsalz, Kaliumjodid-Tableten oder Jodtropfen. Für den Einsatz von Salz gilt die Faustregel: 5 Gramm jodiertes Speisesalz – also ein gestrichener Teelöffel – enthalten 75 bis 125 µg Jod. „Alternativ kommen Seealgen als natürliche Quelle in Frage“, sagt Essler.
Allerdings könne der Jodgehalt bei Meerespflanzen mitunter nicht nur schwanken, sondern sogar sehr hoch sein. „Auch Schwangere, Stillende und Kinder sind gut beraten, zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung 150 µg Jod pro Tag einzunehmen“, betont der BDN-Experte.
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