Tumorentstehung

Hautkrebs durch Papillomviren

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Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der International Agency for Research on Cancer in Lyon haben einen Beweis erbracht, dass bestimmte humane Papillomviren (HPV) ursächlich zur Entstehung von weißem Hautkrebs beitragen können. Im Tiermodell bildeten sich bei infizierten und mit UV-Licht bestrahlten Mäusen Vorstufen gefährlicher Karzinome. Die Forscher wollen nun prüfen, ob die gängigen HPV-Impfstoffe das Hautkrebsrisiko senken können.

Experten bezweifeln seit längerem, dass UV-Strahlen alleine für die Entstehung von weißem Hautkrebs (Spinaliome und Basaliome) verantwortlich sind: In den letzten Jahren hatten Ärzte beobachtet, dass Empfänger von Organtransplantaten mit Immunsuppression bis zu hundertmal häufiger an weißem Hautkrebs erkranken als die Normalbevölkerung. „Das legt nahe, dass auch ein infektiöser Erreger an der Krebsentstehung beteiligt ist“, sagt DKFZ-Virologe Professor Dr. Lutz Gissmann.

Diese Vermutung wurde durch die Beobachtung untermauert, dass bestimmte HPV Hautveränderungen hervorrufen, die zu weißem Hautkrebs entarten können. Außerdem wurde in weißen Hautkrebszellen das Erbgut dieser Viren entdeckt. Gemeinsam mit ihrem französischen Kollegen Professor Dr. Massimo Tommasino untersuchten die Heidelberger Wissenschafter nun, ob Papillomviren tatsächlich eine ursächliche Rolle bei der Krebsentstehung spielen oder nur als zufällige „Begleiterscheinung“ auftreten.

Bei den unter Verdacht stehenden Viren handelt es sich um Erreger der so genannten beta-HPV-Gruppe. Es sind nahe Verwandte von HPV16 und 18, die bereits in den 1980er Jahren als Ursache für den Gebärmutterhalskrebs identifiziert wurden. Bekannt ist, dass die beiden Virusgene E6 und E7 dafür verantwortlich sind, dass infizierte Zellen zu Krebs entarten. Das Forscherteam aus Heidelberg und Lyon wählte daher diese beiden Gene der beta-Papillomviren aus, um sie mit gentechnischen Methoden in Hautzellen von Mäusen einzubringen und so eine chronische Virusinfektion zu imitieren.


Die Epidermis der genveränderten Tiere wucherte stärker als die ihrer normalen Artgenossen, jedoch bildeten sich keine Tumoren. Setzten die Forscher die genveränderten Tiere jedoch UV-Strahlung aus, so bildete ihre Haut so genannte aktinische Keratosen („Lichtschwielen“), die als Vorstufen der bösartigen Plattenepithelkarzinome (Spinaliome) gelten. Nach einiger Zeit entstand bei einem Teil der Mäuse aus den Vorstufen tatsächlich weißer Hautkrebs. Kontrolltiere dagegen zeigten bei der gleichen UV-Dosis keinerlei Hautveränderungen.

„Offensichtlich machen die beta-Papillomviren die Hautzellen anfälliger für schädliche UV-Strahlung und sind damit ursächlich an der Krebsentstehung beteiligt“, erklärt Gissmann. „Mit diesem Wissen können wir nun überlegen, ob besonders gefährdete Personengruppen wie etwa Empfänger von Organtransplantaten durch eine Impfung gegen beta-Papillomviren vor Hautkrebs geschützt werden können.“

Gissmann war bereits maßgeblich an der Entwicklung der 2006 eingeführten Schutzimpfung gegen HPV16 und 18 beteiligt, die Frauen vor Gebärmutterhalskrebs schützen soll. „Aus den bisherigen Erfahrungen mit dieser Vakzine wissen wir, dass die Impfung gegen Infektionen mit Papillomviren schützt. So könnte auch ein Impfstoff gegen die beta-Papillomviren weißem Hautkrebs vorbeugen.“

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