300 Gramm täglich

Haferflocken: Kur kann Cholesterinspiegel stark senken

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Berlin -

Zu hohe Cholesterinwerte sind zwar zunächst symptomlos, können aber langfristig das Risiko für einen Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen. Neue Studienergebnisse belegen: Eine kurzzeitige Haferkur kann den Cholesterinspiegel überraschend stark senken. Vor allem Personen mit metabolischem Syndrom profitieren von einer solchen Kur. Zudem beeinflusste die Diät auch das Mikrobiom im Darm.

Die Studie „Cholesterol-lowering effects of oats induced by microbially produced phenolic metabolites in metabolic syndrome“ der Universität Bonn untersuchte den Effekt einer Haferkur auf die Cholesterinwerte im Blut. Die Ergebnisse sind im Fachjournal Nature Communications erschienen. „Wir wollten wissen, wie sich eine spezielle Haferkur auf die Betroffenen auswirkt“, erklärt Dr. Marie-Christine Simon, Juniorprofessorin am Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn.

Insgesamt nahmen 32 Personen teil, die an zwei Tagen in der Woche jeweils 300 Gramm Haferflocken aßen. Die Tageskalorien betrugen nur etwa die Hälfte der Kalorien, die die Proband:innen normalerweise zu sich nehmen. Die Beteiligten durften sich dreimal täglich ausschließlich von Haferflocken ernähren, die sie zuvor in Wasser aufgekocht hatten. Die Mahlzeiten konnten bei Bedarf mit etwas Obst oder Gemüse verfeinert werden. In einer Kontrollgruppe wurden die Teilnehmenden ebenfalls auf eine kalorienreduzierte Diät gesetzt, allerdings ohne dass sie Haferflocken aßen.

Wert um 10 Prozent gesunken

Alle Versuchspersonen litten bereits am metabolischen Syndrom – also an einer Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck sowie erhöhten Blutzucker- und Blutfettwerten. Das Ergebnis: Zwar profitierten beide Versuchsgruppen von der Spezialdiät, aber in der Hafergruppe war der Effekt deutlich größer.

Gegenüber der Kontrollgruppe verbesserten sich die Cholesterinwerte hier signifikant. „Der Spiegel des besonders schädlichen LDL-Cholesterins sank bei ihnen um 10 Prozent – das ist eine substanzielle Reduktion, wenn auch nicht ganz vergleichbar mit der Wirkung moderner Medikamente“, betont Simon. „Zudem verloren sie im Schnitt zwei Kilo Gewicht und ihr Blutdruck sank ebenfalls leicht.“ Mehr noch: Dieser Effekt ließ sich auch nach sechs Wochen noch nachweisen.

Wirkung von Haferflocken

„Heute stehen für die Therapie von Personen mit Diabetes wirksame Medikamente zur Verfügung“, erklärt Simon. „Darüber ist diese Methode in den letzten Jahrzehnten fast völlig aus dem Blick geraten.“ Erstautorin Linda Klümpen, Doktorandin am Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften, ergänzt: „Wir konnten feststellen, dass sich durch den Verzehr der Haferflocken die Zahl bestimmter Bakterien im Darm erhöht.“

Das Mikrobiom spielt laut der Forschenden eine entscheidende Rolle beim Abbau der Nahrung. Die dabei abgegebenen Stoffwechselprodukte versorgen unter anderem Darmzellen mit Energie, so dass diese ihre Aufgaben besser wahrnehmen können.

Nicht nur das: „Die Mikroben geben manche ihrer Produkte über den Blutstrom durch den Körper, wo sie unterschiedliche Wirkungen entfalten können. Wir konnten zum Beispiel nachweisen, dass die Darmbakterien durch den Abbau des Hafers phenolische Verbindungen produzieren“, schildert Klümpen. „Bei einer von ihnen, der Ferulasäure, ist bereits in Tierstudien gezeigt worden, dass sie den Cholesterinstoffwechsel positiv beeinflusst. Bei manchen anderen der bakteriellen Stoffwechselprodukte scheint das ebenfalls der Fall zu sein.“

Im Gegenzug entsorgen andere Mikroorganismen die Aminosäure Histidin. „Diese wird vom Körper ansonsten teilweise in ein Molekül umgewandelt, das im Verdacht steht, eine sogenannte Insulinresistenz zu fördern. Diese Unempfindlichkeit gegenüber Insulin ist ein zentrales Merkmal des Diabetes mellitus“, weiß Klümpen.

Kurze Kur am effektivsten

Eine kurze Haferkur in regelmäßigen Abständen könnte eine gut verträgliche Möglichkeit sein, den Cholesterinspiegel im Normbereich zu halten und einem Diabetes vorzubeugen, meint Simon. „Allerdings entfaltete das Getreide in der aktuellen Studie seine Wirkung vor allem in hoher Konzentration und in Verbindung mit einer Kalorienreduktion: Eine sechswöchige Diät, bei der Versuchspersonen täglich 80 Gramm Hafer zu sich nahmen, ohne sich ansonsten einzuschränken, erzielte geringe Effekte.“

Im nächsten Schritt müsse geklärt werden, „ob eine sich alle sechs Wochen wiederholende intensive Haferkur auch tatsächlich dauerhaft präventive Wirkung entfaltet.“

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