H1N1 resistent gegen Tamiflu | APOTHEKE ADHOC
Influenza-Mittel

H1N1 resistent gegen Tamiflu

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Punktmutationen haben offenbar dazu geführt, dass der Neuraminidase-Hemmer Oseltamivir (Tamiflu) in diesem Jahr kaum noch gegen H1N1-Viren, einem der Auslöser der Grippe, wirkt. Wie Forscher der Centers for Disease Control and Prevention im amerikanischen Ärzteblatt berichten, waren 264 von 268 Stichproben der derzeit in den USA zirkulierenden Influenza-A-Viren gegen Oseltamivir resistent. In der letzten Saison hatte der Anteil noch bei 12 Prozent gelegen; zuvor waren Resistenzen nur in Einzelfällen beobachtet worden. Auch in Europa liegt die Resistenzquote mittlerweile bei nahezu 100 Prozent.

Die Forscher gehen nicht davon aus, dass der Einsatz des Grippemittels zur Resistenzentwicklung beigetragen hat. Vermutet werden vielmehr Punktmutationen des Enzyms Neuraminidase, an dem Oseltamivir normalerweise angreift. Da die untersuchten Viren keine erniedrigte Aktivität zeigten, vermuten die Forscher weitere Mutationen, die eine eventuelle Funktionsstörung ausgleichen.

Norwegische Forscher gehen sogar davon aus, dass die resistenten Stämme virulenter sein könnten als Viren ohne Mutationen. In dem skandinavischen Land war bereits in der vergangenen Saison ein dramatischer Anstieg der Resistenzen beobachtet worden, von 5 auf 67 Prozent. Dabei war es unerheblich, ob Patienten in der Vergangenheit bereits mit Oseltamivir behandelt worden waren oder nicht.

Laut WHO war Norwegen 2007/2008 das Land mit der höchsten Resistenzquote in Europa, gefolgt von Belgien (53 Prozent), Frankreich (47 Prozent) und Russland (45 Prozent). In Deutschland waren nur 66 von 505 Proben resistent gewesen, entsprechend 13 Prozent.

In dieser Saison liegt auch in Europa die Resistenzquote bei nahezu 100 Prozent. In Deutschland waren nach aktuellen Zahlen 68 von 69 Proben unempfindlich gegen Tamiflu. Allerdings spielen laut Robert-Koch-Institut in diesem Jahr in Europa, anders als 2007/2008, H1N1-Viren mit einem Anteil von weniger als 10 Prozent eine untergeordnete Rolle.

Vielmehr dominieren H3N2-Viren, die zwar nicht mehr auf den Uncoating-Hemmer Amantadin reagieren, aber nach wie vor empfindlich gegen Oseltamivir sind. Infektionen mit Influenza-B-Viren, die derzeit ebenfalls verstärkt gemeldet werden, lassen sich ebenfalls mit Oseltamivir behandeln; Amantadin ist allerdings nicht anwendbar. Für den zweiten Neuraminidase-Hemmer Zanamivir (Relenza ) sind bislang überhaupt keine Resistenzen gemeldet worden.

Kritischer ist die Situation in Nordamerika, wo der H1N1-Subtyp neben Influenza-B-Stämmen aktuell wichtigster Auslöser für Grippeerkrankungen ist. Die US-Behörden raten derzeit, Oseltamivir bei H1N1-Infektionen ohne Wirksamkeitsnachweis vorerst gar nicht mehr oder nur noch in Kombination mit Amantadin anzuwenden.

Welcher Virustyp in der nächsten Saison in Europa eine Rolle spielt, lässt sich derzeit nicht vorhersagen. Die Wissenschaftler hoffen, dass sich die Risikogruppen rechtzeitig für die Saison 2009/2010 impfen lassen. Auf diese Weise lassen sich Probleme bei der Behandlung weitgehend ausschließen.

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