Grippeimpfstoffe: mRNA als Chance?

, Uhr
Berlin -

Mit der Corona-Pandemie ist auch die mRNA-Technologie bei Impfstoffen in den Fokus gerückt. Bislang haben sich die darauf basierenden Covid-Vakzine bewährt. Aufgrund einiger Vorteile könnte die Technologie auch bei anderen Impfstoffen wie der jährlichen Influenza zum Einsatz kommen. Verschiedene Hersteller arbeiten bereits an einer Lösung.

Neu war die mRNA-Technologie nicht. Durch die Pandemie und zeitnah benötigte Impfstoffe hat sie jedoch einen großen Schritt nach vorne gemacht. Auch wenn sie noch immer Skepsis erntet, könnte sie in Zukunft deutlich häufiger zum Einsatz kommen. Denn die Technologie bringt verschiedene Vorteile mit sich: So lassen sich Impfstoffe vergleichsweise schnell herstellen, außerdem ist eine Anpassung an Mutationen einfacher möglich. Vor allem mit Blick auf die jährlich abweichende Zusammensetzung der Influenza-Vakzine könnte hieraus ein entscheidender Vorteil entstehen.

Denn herkömmliche Grippeimpfstoffe werden noch immer in Hühnereiern hergestellt. Die Produktion ist aufwendig und vergleichsweise langwierig – schnelle Anpassungen oder eine rechtzeitige Nachproduktion bei Lieferengpässen sind nahezu unmöglich. Selbst bei neueren Technologien auf Basis von Säugetierzellen – wie sie bei Flucelvax zum Einsatz kommt – kann aufgrund der zahlreichen Produktionsschritte kaum ein zeitlicher Vorteil verschafft werden.

Auch in Bezug auf die Wirksamkeit könnten mRNA-basierte Vakzine punkten: Bislang liegt die durchschnittliche Wirksamkeit der Influenza-Impfstoffe bei etwa 40 bis 60 Prozent. Die Effektivität der Impfungen liegt jedoch deutlich darunter. Durch die neue Technologie könnte die Wirksamkeit erhöht und somit auch die Effektivität in der Bevölkerung insgesamt gesteigert werden. Nachteile könnten sich nach bisherigen Erkenntnissen jedoch aus den Lagerbedingungen ergeben, da mRNA-Vakzine bei deutlich niedrigeren Temperaturen aufbewahrt werden müssen als die bisherigen Grippeimpfstoffe. Außerdem ist bislang noch nicht abschließend geklärt, wie lange der Impfschutz durch mRNA-Impfstoffe anhält.

mRNA in den Startlöchern

Die Hersteller der mRNA-Vakzine forschen bereits an Grippeimpfstoffen – und das schon lange vor Corona. So hat beispielsweise Curevac den Kandidaten „CV7301“ in der präklinischen Forschung, ein Lipid-Nanopartikel-Impfstoff gegen Influenza. Bei nichtmenschlichen Primaten konnte er eine starke und dauerhafte Immunogenität erzeugen. Biontech ist ebenfalls mit im Boot: „BNT161“ ist ein Influenza-Kandidat auf Basis der mRNA-Technologie. Wie der Impfstoff von Curevac befindet er sich ebenfalls noch in der präklinischen Testung. Die Zusammenarbeit erfolgt hier wie bereits bei der Covid-Vakzine mit Pfizer.

Mittlerweile sind sogar Kombinations-Impfstoffe denkbar: So könnte gegen die saisonale Influenza und Covid-19 gleichzeitig geimpft und aufgefrischt werden. An einer solchen Kombi-Vakzine arbeitet derzeit beispielsweise Moderna. Der erste Schritt der klinischen Forschung könnte dem Unternehmen zufolge noch 2021 folgen. Auch Sanofi plant den Start einer klinischen Studie zu einerm mRNA-Impfstoff zum Schutz vor Influenza noch in diesem Jahr.

 

Bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand und abonnieren Sie den Newsletter von APOTHEKE ADHOC.

 

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Die Amtsübergabe in Bildern
Spahn geht, Lauterbach kommt »
PKV bewirbt Behandlung in der Schweiz
BGH entscheidet über Telemedizin im Ausland »
Mehr aus Ressort
Einnahme gefahrlos fortsetzbar
Statine: Kein Risikofaktor für Covid-19 »
Prämie und Tablet als Aufwandsentschädigung
Covid-19: Ursapharm will Bromelain testen »
Weiteres
DocMorris-Mutterkonzern sammelt 18 Millionen Franken ein
E-Rezept: Zur Rose füllt Kriegskasse»
Zahlen aus der Pilotregion Berlin/ Brandenburg
Gematik: „Das E-Rezept ist beherrschbar“»
Einnahme gefahrlos fortsetzbar
Statine: Kein Risikofaktor für Covid-19»
Prämie und Tablet als Aufwandsentschädigung
Covid-19: Ursapharm will Bromelain testen»
„Wir haben ein Wettbieten um Mitarbeiter“
Personalnot: Verzweifelter Hilferuf eines Apothekers»
150 Anrufe und 100 E-Mails am Tag
Apotheker sucht 40 Mitarbeiter:innen»