Crispr/Cas

Gen-Manipulation & Goldgräberstimmung dpa, 25.05.2018 09:58 Uhr

Berlin - „Das ist ein Menschheitsthema, das man nicht alleine den Wissenschaftlern überlassen darf.“ Das sagt der Chef des Deutschen Ethikrates, Professor Peter Dabrock, mit Blick auf die Gen-Technik Crispr/Cas. So heißt eine Art chirurgische Gen-Manipulation, mit der sich sehr zielgenau und einfach Änderungen an den Erbinformationen vornehmen lassen. Die Methode wird zwar erst seit einigen Jahren angewandt. Doch bei Pflanzen und Tieren sind die Forscher schon recht weit. Einige Länder schreiten auch in Richtung Anwendung am Menschen voran. Dabrock spricht sich im Interview deshalb für eine internationale Institution aus, die diesen Prozess beobachtet.

Frage: Was ist aus Ihrer Sicht die größte Chance durch die Technik der Gen-Schere?
Antwort: Man muss zwischen kurzfristigen und langfristigen Perspektiven unterscheiden. Ich sehe im Bereich Landwirtschaft kurz- bis mittelfristig sehr interessante Entwicklungen. Ich sehe Möglichkeiten im Bereich der Gestaltung von Ökosystemen. Das wird intensiv debattiert. Ein Beispiel: Darf man Mücken, die Malaria übertragen, unfruchtbar machen oder sogar ausrotten. Und ich sehe im Bereich der Medizin viele Möglichkeiten.

Frage: Was ist aus Ihrer Sicht das größte Risiko, wovor warnen Sie?
Antwort: Es gibt Risiken im technischen und im sozialen Bereich. Im Bereich der ökologischen Konsequenzen müssen wir überlegen, ob es sinnvoll ist, dass wir eine ganze Spezies, etwa Mücken, ausrotten, um eigene Vorteile zu erlangen. Hier im Kampf gegen Malaria. Wir müssen aber auch umgekehrt sagen: Was bedeutet es, wenn wir es nicht machen? Wollen wir weiter viele Hunderttausend Menschen pro Jahr sterben lassen, obwohl man mit der Gen-Schere vielleicht ein gutes Mittel hätte, um Malaria zu bekämpfen. Zum anderen sehe ich soziale Risiken, wenn wir uns anschicken, die genetischen Grundlagen der menschlichen Spezies zu verändern. Forscher in den USA und in China tun alles, um das zu bewirken. Das ist noch überhaupt nicht weltweit debattiert.

Frage: Was heißt das, erwarten Sie die Geburt von veränderten Menschen, von Designerbabys, durch die Gen-Schere?
Antwort: Das ist schwer vorherzusagen. Ich denke, dass zunächst versucht werden wird, medizinische Therapien am frühesten menschlichen Leben zu etablieren. Das fängt damit an, dass man versucht, schwere Erbkrankheiten zu eliminieren. Wiewohl man das auch mit der ebenfalls umstrittenen Präimplantationsdiagnostik - also mit der genetischen Untersuchung und Auswahl eines Embryos - durchführen könnte. Die große Herausforderung, wenn man eine Gen-Schere in der Keimbahn einsetzt, liegt in der Zukunft: Das betrifft nicht nur den Einzelnen, sondern wird an alle Generationen seiner Nachkommen weitergegeben.

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