Studie

Biosimilars: Milliarden-Kosten durch fehlenden Wettbewerb

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Berlin -

Die Ausgaben der GKV für Arzneimittel könnten bis 2035 auf bis zu 89 Milliarden Euro steigen. Weil auch biologische Arzneimittel einen immer größeren Anteil an den Ausgaben ausmachen werden, hängt der Anstieg auch davon ab, wie viele Biosimilars auf den Markt kommen. Laut einer aktuellen Studie des Forschungsunternehmens Prognos im Auftrag der AG Pro Biosimilars könne ein fehlender Wettbewerb bei Biosimilars der GKV in Summe mehr als 38 Milliarden Euro kosten.

„Die Prognos-Analyse zeigt: Biosimilar-Wettbewerb ist eine wirksame Stellschraube für die finanzielle Nachhaltigkeit der GKV. Die Differenz zwischen einem Markt mit funktionierendem Wettbewerb und einem ohne beläuft sich bis 2035 auf 38 Milliarden Euro“, so Dr. Christopher Kirsch, Vorsitzender der AG Pro Biosimilars. Doch dafür müssten jetzt die richtigen politischen Entscheidungen getroffen werden. „Das befristete Verbot exklusiver Rabattverträge gibt uns eine Atempause. Wir sollten diese nutzen, um ernsthaft darüber nachzudenken, wie die Medizin von morgen finanzierbar bleibt“, so Kirsch weiter. Kurzfristige Einsparungen dürften nicht dazu führen, die Rahmenbedingungen so zu verändern, dass am Ende in vielen Wirkstoffmärkten keine Biosimilars mehr auf den Markt kommen. „Denn dann zahlen wir einen viel höheren Preis.“

Künftig mehr Biopharmazeutika

Arzneimittel wurden in den vergangenen Jahrzehnten vorrangig chemisch hergestellt, doch jetzt und in Zukunft würden Biopharmazeutika immer mehr an Bedeutung gewinnen, so die AG Pro Biosimilars. Dabei würden sie wesentlich zur Ausgabenentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung beitragen, denn Biopharmazeutika kosteten ein Vielfaches chemischer Arzneimittel. Da in den kommenden Jahren die Patente zahlreicher umsatzstarker Biopharmazeutika auslaufen würden, könnten günstigere Biosimilars den Ausgabenanstieg abschwächen.

„Ob diese Chance tatsächlich genutzt wird, ist offen. Es braucht Biosimilars, die auch wirklich entwickelt werden und auf den Markt kommen – und dafür die richtigen Rahmenbedingungen“, erklärt die AG.

Drei Szenarien

Das Forschungsunternehmen Prognos hat nun szenariobasiert berechnet, wie sich die Arzneimittelausgaben der GKV bis 2035 entwickeln könnten – je nachdem, wie stark der Biosimilar-Wettbewerb ausfällt. Demnach könnten die Arzneimittelausgaben von derzeit 58,5 Millarden Euro im Niedrig-Szenario mit wenig Wettbewerb auf 88,7 Milliarden Euro ansteigen, im Szenario mit mittlerem Wettbewerb, der sich am Status quo orientiere auf 87,5 Milliarden Euro und im Hoch-Szenario mit viel Wettbewerb auf 83,4 Milliarden Euro steigen.

Betrachtet man den gesamten Zeitraum von 2025 bis 2035, liegt die Differenz zwischen Niedrig- und Hoch-Szenario demnach bei rund 38 Milliarden Euro. „Geld, das die gesetzlichen Krankenkassen mehr aufbringen müssten – weil es an funktionierendem Wettbewerb und günstigen Alternativen mangelt.“

Weniger Belastung für Versicherte

Damit habe der Wettbewerb im Biosimilar-Bereich auch unmittelbaren Auswirkungen auf jeden einzelnen Versicherten, da nicht generierten Einsparungen zum großen Teil auf die Versicherten zurückfallen würden. Demnach müssten bei einem gesunden Wettbewerb müssten GKV-Versicherte 2035 mit einem Anstieg von lediglich 0,02 Beitragssatzpunkten rechnen. Ohne funktionierenden Biosimilar-Wettbewerb wären es dagegen 0,28 Punkte. Für einen vierköpfigen Haushalt mit einem Jahreseinkommen von 80.000 Euro bedeute das den Unterschied zwischen acht und 112 Euro jährlicher Mehrbelastung.

Keine exklusiven Rabattverträge

„Aus den Zahlen wird deutlich: Patentabläufe allein erzeugen keine Einsparungen. Es braucht Biosimilars, die tatsächlich auf den Markt kommen – und dafür stabile Rahmenbedingungen.“ Statt zunehmenden Preisdrucks brauche es eine konsistente Biosimilar-Strategie und gezielte Entwicklungsanreize. Zudem müsse das 2028 auslaufende Verbot exklusiver Rabattverträge entfristet werden, um den Markt für mehrere Anbieter attraktiv zu halten.

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