Flüchtige organische Verbindungen

Atemwege: Putzmittel schädlicher als Autoabgase

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Berlin -

Ein US-Forscherteam hat sich mit den schädlichen Auswirkungen von handelsüblichen Reinigungsmitteln auf die Atemwege beschäftigt. Ihre Untersuchungen konnten zeigen, dass das Einatmen der Aerosole die Lunge mindestens genauso schädigen kann wie Autoabgase – teilweise sogar mehr. Schuld daran seien flüchtige organische Verbindungen, die tief in das Gewebe eindringen können.

Spätestens seit der Pandemie gehört die regelmäßige Reinigung und Desinfektion von Oberflächen zum Alltag. Doch handelsübliche Putzmittel können die Atemwege massiv belasten, wie eine Studie der Indiana University in Bloomington kürzlich zeigte. In den Mitteln seien kleinste Schadstoffpartikel enthalten, welche das Lungengewebe reizen können. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Science Advances“ vorgestellt.

Für ihre Untersuchung wurde ein Testraum mit einer Größe von 20 Quadratmetern eingerichtet, welcher einem typischen Büroraum ähneln soll. Während dieser rund 15 Minuten mit einem handelsüblichen Putzmittel auf Basis von Monoterpenen gereinigt wurde, hat das Team die Raumluft kontinuierlich analysiert.

Massive Atemwegsbelastung nach Reinigung

Die Wissenschaftler:innen berechneten, dass eine Person im Raum zu Beginn der Reinigung etwa 30 bis 40 Mikrogramm primäre flüchtige organische Verbindungen pro Minute einatmet. Durch Reaktion mit der Raumluft entstehen schließlich auch sekundäre organische Aerosole mit Peroxiden, Alkoholen, Carbonylen und Carbonsäuren, welche eingeatmet werden. Hier liegt die Menge bei 0,1 bis 0,7 Mikrogramm. Zwar sei die Menge insgesamt gering, allerdings seien die Partikel extrem klein: Durch ihre Größe im Nano-Bereich könnten sie tief in die Lunge vordringen und so gesundheitliche Risiken mit sich bringen, so das Team.

Was sind flüchtige organische Verbindungen?

Flüchtige organische Verbindungen (VOC) sind bereits häufiger in den Fokus geraten: Sie sind unter anderem in Farben und Lacken enthalten – aber auch in Reinigungsmitteln. In geschlossenen Räumen kommt es zu einem schnellen Verdunsten, wodurch sie beim Einatmen in die Atemwege gelangen. Es kann zu Reizungen von Hals und Nase kommen, welche mit Atembeschwerden, Müdigkeit oder Kopfschmerzen einhergehen können. Manchmal treten auch Asthmaanfälle oder allergische Hautreaktionen auf. Einige Vertreter stehen im Verdacht, krebsauslösend zu sein.

Bei der Untersuchung wurden vor allem solche Reinigungsmittel untersucht, die nach Zitrus oder Pinie duften. Sie enthalten häufig ätherische Öle, welche Monoterpene als Hauptbestandteil aufweisen, darunter Alpha- und Beta-Pinen, Limonen oder Campher. Durch die Verwendung würden in geschlossenen Räumen flüchtige organische Verbindungen freigesetzt, welche potenziell gesundheitsschädlich seien.

Reinigungsmittel ebenso schädlich wie Autoabgase

Im Zuge der Untersuchungen wurde die Belastung durch Reinigungsmittel mit der verkehrsbedingter Aerosole in Städten verglichen. Das Team kam zu dem Ergebnis, dass derartige Reinigungsmittel die Lunge gleich stark oder sogar stärker reizen können und damit eine Belastung für die Atemwege darstellen. Sie raten deshalb dazu, auf lösungsmittelfreie Reinigungsmittel umzusteigen und regelmäßig zu lüften, um die Luftqualität zu verbessern.

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