In der modernen ADHS-Therapie rückt die gesunde Ernährung zunehmend in den Fokus. Die aktuelle klinische Forschung zeigt: Das Weglassen von Zucker und die gezielte Korrektur von Nährstoffdefiziten können die Symptome positiv beeinflussen.
Aktuelle Meta-Analysen unterstreichen, dass die richtige Ernährung zwar keine genetische Veranlagung heilt, aber die Symptomlast signifikant senken und die Wirksamkeit anderer Therapien optimieren kann. Neuere Studien bestätigen, dass viele Menschen mit ADHS spezifische Nährstoffmängel aufweisen. Eine gezielte Supplementierung von bestimmten Nährstoffen zeigt oft dann Wirkung, wenn klinisch ein Mangel vorliegt. Ein Überblick über die vielversprechendsten Nahrungsergänzungsmittel.
Magnesium und Zink: Die beiden Analysen „A closer look at the role of nutrition in children and adults with ADHD and neurodivergence“ von 2025 und „Exploring the link between toxic metal exposure and ADHD: a systematic review of Pb and Hg“ von 2024, bestätigten signifikant niedrigere Magnesium- und Zinkkonzentrationen im Blut und in den Haaren bei ADHS-Betroffenen. Ein Mangel korreliert direkt mit der Ausprägung von Hyperaktivität und Unruhe. Die Ergebnisse wurden in dem Fachjournal Nutrients (MDPI) und im Journal of Neurodevelopmental Disorders veröffentlicht. Eine Zink-Supplementierung kann die Wirksamkeit von Methylphenidat unterstützen.
Eisen: Ein niedriger Ferritinwert (Eisenspeicher) gilt zunehmend als Biomarker für ADHS-Symptome bei Kindern. Eisen ist ein wichtiger Co-Faktor bei der Synthese von Dopamin, einem Neurotransmitter, der bei ADHS eine zentrale Rolle spielt.
Vitamin D: Studien wie „Nutrition and ADHD: a review of studies evaluating the impact of nutrition on attention deficit disorder“ von 2025 zeigen, dass der Ausgleich eines Vitamin-D-Mangels die Aufmerksamkeit und Impulskontrolle verbessern kann, da Vitamin D die Serotonin-Synthese beeinflusst. So konnte eine signifikante Reduktion von Verhaltensproblemen durch die Gabe von 50.000 IE Vitamin D pro Woche über acht Wochen erreicht werden.
Omega-3: Die Studie „Scientific evidence for nutritional supplements and dietary interventions in mental disorders“ (2025) zeigt, dass Omega-3 (EPA und DHA) eine „leichte, aber signifikante“ Verbesserung bewirken kann. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift World Psychiatry veröffentlicht. Kernpunkte sind:
Ein weiterer Therapieansatz ist ein Konzept, welches auf einer Elimination von fast allen potenziell allergenen Lebensmittel beruht. Dazu gehören unter anderem Milch, Weizen, Eier und Farbstoffe. Studien der Uniklinik Freiburg und internationale Daten aus Studien wie „The Acute and Long-Term Benefits of the Oligoantigenic Diet for Children and Adolescents on the Three Symptom Subdomains of ADHD“ zeigen, dass über 60 Prozent der Kinder positiv reagieren – teilweise verschwinden die Symptome fast vollständig. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse beispielsweise in dem Fachjournal Nutrients im Jahr 2025.
Aber: Diese Diät ist sehr restriktiv und darf nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden, um Mangelernährung zu vermeiden.
Ganz neu in der Forschung sind Untersuchungen zum Mikrobiom im Darm und em Einfluss der sogenannten Darm-Hirn-Achse auf ADHS. Studien wie „The gut-microbiome in adult Attention-deficit/hyperactivity disorder“ konnten zeigen, dass bestimmte Probiotika die Hyperaktivität reduzieren können, indem sie Entzündungsprozesse im Körper senken, die das Gehirn beeinflussen.
Insbesondere bei Kindern konnte die Analyse „Gut microbiota-derived short-chain fatty acids in children with ADHD“ zeigen, dass oft eine geringere Konzentration an Butyrat-produzierenden Bakterien vorliegt. Ein niedriger Spiegel dieser Fettsäuren korreliert mit einer höheren Durchlässigkeit der Darmwand („Leaky Gut“), was wiederum Entzündungsprozesse im Gehirn fördern kann.
Weil stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker und ungesunde Fette wenig Nährstoffe enthalten, können ADHS-Symptome sich verschlimmern. Darauf wies schon die Kohortenstudie, welche im Journal of Attention Disorders im Jahr 2010 erschien, hin. Den Ergebnissen zufolge weisen Kinder, die sich vorrangig mit Fastfood ernähren, ein zweifach erhöhtes Risiko einer AHDS auf. Eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkorn und Protein kann demnach helfen, die Gehirngesundheit zu unterstützen.
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