Verbraucherzentrale

Überleben mit Luft und Spirulina allein

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Berlin -

Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt warnt vor irreführender Werbung für ein Nahrungsergänzungsmittel. Die niederländische Pharmavertriebsfirma GP Health Products behauptet in einem 20-seitigen Werbeflyer, dass „Dr. Hittich Spirulina-Premium-Tabletten“ einen Nahrungsmittelvorrat für 14 Tage abdecken.

Das Bundesernährungsministerium empfiehlt jedem Bürger, für Krisenzeiten einen Vorrat an Nahrungsmitteln, Wasser und Medikamenten im Haus zu haben. Geht man nach GP, kann man sich den Vorrat sparen: Die empfohlene Tagesdosis des Algen-Produkts plus Wasser versorge jeden Menschen mit normalem Bedarf mit allen Nährstoffen, „die der Körper zum Leben braucht“, und lasse „die Gesundheit aufblühen“: Das Wundermittel soll die Leber schützen, den Blutzuckerspiegel regulieren und die Gehirnfunktion verbessern.

Diese Werbung stuft die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt jedoch als höchst unseriös und irreführend ein. GP empfiehlt bei einem erhöhtem Bedarf neun Tabletten pro Tag und somit gerade einmal 36 kcal Energie, 0,72 g Fett, 1,11 g Kohlenhydrate, 1,6 g Ballaststoffe und 6,3g Eiweiß – einen Bruchteil der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) pro Tag empfohlenen Energie- und Nährstoffmenge.

Der tägliche Energiebedarf eines Erwachsenen mit leichter Arbeit liegt um das 60-Fache höher. Würden Verbraucher die Empfehlung von GP umsetzen, wäre eine eklatante Unterversorgung mit Energie und den notwendigsten Nährstoffen die Folge.

Das Unternehmen wirbt seit etwa 25 Jahren mit vielen weiteren Gesundheitsversprechen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat bereits mehrere Unterlassungsverfahren gegen die Firma von Dr. Reinhard Hittich geführt – erfolglos. Dem Biochemiker aus den Niederlanden können jedoch nur schwer die Hände gebunden werden: Deutsche Behörden sind nahezu machtlos, da das Unternehmen seinen Sitz in den Niederlanden hat und die „Gesundheitsmittel mit der Intelligenz der Natur“ nur in Deutschland und Teilen Österreichs vertreibt.

Die Verbraucherzentralen Bayern und Mecklenburg-Vorpommern warnen seit mehreren Jahren vor den dubiosen Versprechen der niederländischen Firma. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie schlug vor sechs Jahren Alarm: Damals ging es um ein Wundermittel gegen fortgeschrittene Prostatavergrößerung. Die Produkte werden in Internetshops vertrieben und mit einer 100-Prozent-Zufriedenheitsgarantie beworben.

Zuletzt hatte die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt vor missverständlichen Werbeanrufen für Nahrungsergänzungsmittel gewarnt: Statt einer Probepackung würden oft Abonnements verkauft. Nach den Telefonaten hätten Betroffene etwa einen kompletten Monatsvorrat an Ginkgo-Präparaten erhalten. Den Verbraucherschützern zufolge wurde den Käufern während des Gesprächs nicht klar deutlich gemacht, dass es sich um einen regelmäßigen Liefervertrag handelt.

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