Willenserklärung unter der Haut

Organspende: Abgeordnete lassen sich tätowieren

, Uhr aktualisiert am 16.05.2024 14:55 Uhr
Berlin -

Organspender:in ja oder nein? Bei vielen Verstorbenen fehlt schlichtweg die Information über eine Einwilligung. Deswegen ruft die gemeinnützige Organisation „Junge Helden“ Menschen dazu auf, sich ein simples Tattoo stechen zu lassen. Dieses soll künftig mehr Klarheit schaffen und die Spendenhäufigkeit erhöhen. Heute beteiligten sich 18 Buntestagsabgeordnete an an der Aktion und ließen sich tätowieren.

Heute ließen sich im Reichstagsgebäude 18 Bundestagsabgeordnete ein spezielles Tattoo stechen; das „Opt.Ink“. Das Design besteht aus einem Kreis und zwei Halbkreisen. So symbolisiert es, wie durch die Organspende aus zwei Teilen wieder ein Ganzes wird. Die Aktion steht unter dem Motto „Opt-Ink – Get Inked. Give Life.“ und soll das Thema Organspende mehr in den Fokus rücken.

Indikator für Organspendebereitschaft

Die Idee für das OPT.INK genannte Tattoo stammt von den „Junge Helden“. Vor etwas mehr als einem Jahr sei das Projekt gestartet, bei dem deutschlandweit rund 700 Tattoo-Studios mitmachten, sagte Anna Barbara Sum Mitgründerin des Vereins.

„Opt-Ink ist sowohl für das medizinische Personal als auch für Angehörige ein eindeutiger Indikator, dass die Person gewillt ist, ihre Organe zu spenden“, so die Organisation. Denn ohne ein schriftliches Einverständnis müssen dem Verein zufolge nach dem Tod die Angehörigen eine Entscheidung treffen. Oft lehnen diese eine Organspende aber mangels Kenntnis über den mutmaßlichen Willen des Verstorbenen ab. Man freue sich deshalb sehr, dass das Tattoo jetzt auch seinen Weg in den Bundestag findet, so eine Sprecherin.

Tattoo als Statement

Ziel der Aktion ist es, laut dem Patientenbeauftragen der Bundesregierung, Stefan Schwartze, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen. Für ihn selbst sei es das erste Tattoo. „Es wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch mein einziges bleiben. Aber das ist eine Sache, mit der ich mich zu 100 Prozent identifiziere und die mir dann im wahrsten Sinne des Wortes auch mal unter die Haut geht“, erklärte der SPD-Politiker, bevor er sich das Tattoo auf den linken Oberarm stechen ließ. „Wir hoffen auf eine ganz große öffentliche Resonanz.“

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist ein Tattoo allerdings keine rechtsgültige Dokumentation einer Organspenden-Entscheidung. „Die Dokumentation erhält rechtliche Gültigkeit erst durch die persönliche Unterschrift, sei es auf einem Organspendeausweis, einer Patientenverfügung oder einem formlosen Schriftstück“. Dennoch könne es als Willensbekundung gewertet werden und wenn keine weitere schriftlich dokumentierte Entscheidung vorliege, bei der Entscheidungsfindung helfen.

Hoffnung auf gesetzlichen Wandel

Schwarze hofft deshalb, dass die Tattoo-Aktion endlich der Anstoß für den Beschluss der Widerspruchslösung im Bundestag sei. Will heißen: Die Widerspruchslösung besagt, dass Menschen generell als Organspender gelten, sofern sie dem nicht ausdrücklich widersprochen haben. Momentan ist es in Deutschland aber genau andersherum: Nur bei einer ausdrücklichen Zustimmung darf einem Menschen ein Organ entnommen werden. Das gilt auch nach seinem Tod.

Im vergangenen Jahr haben 965 Menschen nach ihrem Tod ein Organ oder mehrere Organe gespendet. Das waren 96 mehr als nach einem starken Einbruch 2022, wie die koordinierende Deutsche Stiftung Organtransplantation bilanzierte. Zugleich standen aber knapp 8400 Menschen auf den Wartelisten für eine Transplantation.

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