Onkologie

Lauterbach: Geschäfte der Krebs-Industrie

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Berlin -

Krebs wird Deutschlands nächste große Herausforderung. Professor Dr. Karl Lauterbach (SPD), schätzt: „Etwa die Hälfte aller Deutschen wird im Laufe ihres Lebens an Krebs erkranken.“ Denn Krebs sei eine „Verschleißerkrankung“, die sich in hohem Alter bei jedem einstellen würde, erklärt er. Statt mit neuen Medikamenten vielen gegen die Krankheit zu helfen, seien Pharmaunternehmen auf Profit aus, kritisiert der SPD-Fraktionsvize.

Da nun die geburtenstarke Babyboomer-Generation altere, werde die Anzahl der Krebserkrankungen ansteigen – und damit auch die Behandlungskosten, sagt Lauterbach. Die Behandlung der Krebspatienten kostet viel: 50.000 bis 150.000 Euro fallen pro Patient an. In seinem Buch „Die Krebs-Industrie. Wie eine Krankheit Deutschland erobert“ hält Lauterbach den Pharmakonzernen vor, diese Kosten mit Profitgier zusätzlich nach oben zu treiben.

Lauterbach kritisiert, dass neu entwickelte Medikamente gegen Krebs zu teuer verkauft würden. „Das ist nicht mit den Entwicklungskosten zu rechtfertigen. Die Entwicklung findet an den Universitäten statt und wird von ihnen finanziert“, sagt er. Daher dienten die Preise in erster Linie dem Profit der Unternehmen.

Der Nutzen der Medikamente sei bislang unzureichend belegt, so Lauterbach weiter. Zulassungen würden oft im Schnellverfahren erteilt. Vorliegende Wirksamkeitsstudien seien unter den sehr guten Versorgungsbedingungen in US-Universitätskliniken gemacht worden. „Das ist schwer mit den Bedingungen in einem deutschen Kreiskrankenhaus zu vergleichen“, sagt Lauterbach.

Zudem würden in den Studien oft nur die Wirkung der Medikamente auf die Krebszellen getestet. Aber Medikamente, die erfolgreich eine Tumorausbreitung eindämmen könnten, steigerten nicht unbedingt auch die Lebenserwartung. Daher müssten hierzulande größer angelegte Studien durchgeführt werden, die auch Nebenwirkungen und Lebensdauer abfragten.

„Diese Daten könnten dann mit dem Nutzen einer Palliativversorgung verglichen werden“, ergänzt Lauterbach. „Eine gute palliative Versorgung kann die Lebensqualität erhalten – und auch für eine höhere Lebensdauer sorgen“, nennt Lauterbach eine bestehende Alternative zur Behandlung mit den neuen Medikamenten.

Lauterbach prangert zudem die Zwei-Klassen-Medizin an; Privatversicherte seien bei einer Krebsbehandlung im Vorteil, da ihnen der Zugang zu Experten erleichtert würde. Es sei sinnvoll, wenn jedem Patient nach einer Erstdiagnose ein Spezialteam zur Verfügung stehen würde, das ihm und dem behandelnden Arzt eine Therapieempfehlung ausspreche, schreibt er in seinem Buch.

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