Hilfsorganisationen

Aids Fonds gründet Fake-Apotheke

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Berlin -

Ein Arzneimittel gegen ungleiche Socken, eine Tablette für Pünktlichkeit oder eine Pille für perfekt erzählte Witze: In Amsterdam versorgt eine „gefälschte“ Apotheke Großstädter mit Placebos gegen Luxussorgen. Das Geschäft der Hilfsorganisation Aids Fonds hat bis 19. Juli geöffnet. Mit einem Augenzwinkern soll die Kampagne Aufmerksamkeit für einen besseren Zugang zu HIV-Medikamenten vermitteln.

In dem „First World Problem Store“ werden 40 Produkte angeboten. Die Placebos gibt es in vier Kategorien: „Tägliche Drama-Lösungen“; „Brauche es nicht, aber will es“; „Schwul-Gefühl“ oder „perfektes Souvenir“. Der Geschmack ist der gleiche: Die bunten Verpackungen enthalten lediglich Pfefferminzbonbons.

Versprochen werden unter anderem folgende Verwandlungen: Schnarchen wie eine Fee, sich selbst anziehende Kinder, Travolta-Tanzschritte, Fett in Muskeln verwandeln, Glitter Pupsen, Streit mit dem Partner gewinnen, schwul für einen Tag, ewig knusprige Cornflakes oder keine Angst vor Spinnen. Die Produkte sind auch im Internet erhältlich. Die Preise liegen je nach Packungsgröße zwischen rund 3 und 15 Euro.

Die Hilfsorganisation hat beim Sortiment auch an Touristen gedacht. Sieben Produkte spielen auf Klischees aus der Hafenstadt an: Eine Packung hilft entspannt zu bleiben, obwohl man einen Joint geraucht hat. Eine andere verspricht den ewigen Geschmack der Süßspeise Poffertjes oder wie man ein holländisches Fahrrad fährt.

Die „gefälschte“ Apotheke befindet sich im Stadtviertel Jordaan. Die Hilfsorganisation wirbt mit den witzigen Botschaften um Aufmerksamkeit für ein ernstes Anliegen: „Hier in Holland und anderen westlichen Ländern müssen wir uns keine Gedanken um die medizinische Versorgung machen“, sagt Aids Fonds-Botschafter und Sänger Freek Bartels bei der Eröffnung. Mit den Erlösen soll der Zugang zu HIV-Medikamenten erleichtert werden.

Ein Problem sieht der Fonds auch in Patenten von Pharmaunternehmen. Die Vereinbarungen zwischen Herstellern und Regierungen sorgten für hohe Preise. Laut Aids Fonds werden von den weltweit 35 Millionen HIV-Infizierten lediglich 37 Prozent mit antiretroviralen Arzneimitteln behandelt.

Auch die Vereinten Nationen wollen stärker gegen Aids vorgehen. Die Zahl der an Aids sterbenden Jugendlichen soll in den nächsten fünf Jahren um zwei Drittel reduziert werden. Auch die Zahl der HIV-Neuinfektionen soll mit Kampagne „All In“ drastisch gesenkt werden.

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