Westfälisch-lippischer Apothekertag

Laumann: Apotheker:innen als Impfbotschafter

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Berlin -

Als Schirmherr des Westfälisch-lippischen Apothekertags (WLAT) in Münster zog NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ein Resümee der vergangenen 17 Monate und gab auch einen Ausblick in die Zukunft.

Bereits zu Beginn des Monats hatte Laumann erklärt, man gehe „zuversichtlich in den zweiten Herbst der Pandemie“. Dennoch habe man sie noch nicht hinter sich. „Was waren das für 17 Monate, die wir hinter uns haben?“, fragte er die Zuschauer vor Ort und an den mobilen Geräten – in diesem Jahr findet der WLAT als Hybrid-Veranstaltung statt.

Laumann sprach von Herausforderungen einer Generation, die noch niemand zuvor erlebt hat. Doch das Gesundheitssystem habe im Ganzen gute Arbeit geleistet – und das mache einen hohen Anteil dafür aus, dass Deutschland „einigermaßen vernünftig“ durch die Pandemie gekommen sei. „Das System hat standgehalten“, fasste er zusammen. Er sei stolz auf das niedergelassene Gesundheitssystem wie Apotheken und Hausärzte: Sie alle hätten in der Pandemie ihre Arbeit so gemacht, dass auch Kritiker sich nicht beschweren konnten.

Dennoch habe es Bereiche gegeben, in denen man nicht vorbereitet war: So sei man beispielsweise durch die „Katastrophe“ an den Tagen nach dem Karneval in Heinsberg innerhalb kürzester Zeit „blank“ an Schutzmitteln gewesen. „Wir sind zu abhängig von ausländischen Lieferketten“, so Laumann. „Ich bin froh darüber, dass Apotheker aus Schnaps Desinfektionsmittel machen durften“, erklärt er. Künftig sei jedoch eine gewisse Unabhängigkeit bei Schutzausrüstung und Arzneimitteln innerhalb der demokratischen Staaten Europas wichtig. Dabei spiele jedoch auch das Einkaufsverhalten der Akteure eine wichtige Rolle.

Apothekenpersonal kann zum Impfen motivieren

Ein wichtiges Thema sei nach wie vor das Impfen. In NRW seien aktuell rund 75 Prozent der Erwachsenen doppelt geimpft. „Schön wäre es, wenn wir das in den kommenden Wochen noch um 10 Prozent steigern könnten“, so Laumann. Apotheker:innen und PTA seien dabei „wichtige und glaubwürdige Botschafter“.

Laumann verwies auf die Bedeutung der Apotheken: Es sei psychologisch gut, wenn rezeptpflichtige Medikamente an einem „besonderen Ort“ gekauft werden müssten – und nicht „an jeder Ecke.“ Dies mache die Wertigkeit eines Arzneimittels deutlich und müsse in Zukunft erhalten bleiben. Er positionierte sich auch zur Struktur des Systems von freien Heilberuflern und stellte sich gegen den Einstieg von Kapitalgesellschaften in den Apothekenmarkt, „die wir nicht brauchen und die mir schon heute in anderen Bereich wie den Zahnarztpraxen große Sorgen bereiten“.

Laumann untermauerte außerdem erneut die Entscheidung, Coronatests für Ungeimpfte bald nicht mehr staatlich zu finanzieren. Die Testzentren seien eine „Brücke“ gewesen, die Freiheiten ermöglichen konnte, als noch nicht alle ein Impfangebot hatten. Die neuen Quarantäne-Regelungen sieht der NRW-Gesundheitsminister als „ein Schubsen in die richtige Richtung“. Zum Schluss wagte Laumann einen Blick in die Zukunft: Er hofft, dass im kommenden Frühjahr die Pandemie „weitestgehend hinter uns liegt“.

Unverzichtbar ist die Apotheke im Quartier auch für Oberbürgermeister Markus Lewe, wie er in seinem Grußwort verdeutlichte. Gerade in der Pandemie habe es jeder gesehen, so Lewe mit Blick ins Publikum: „Wir brauchen Sie! In der Krise hat sich gezeigt, wie wichtig Ihre Arbeit für die Daseinsvorsorge ist. Allein in Münster haben sich 34 Apotheken an den Testungen beteiligt.“

Auch Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening dankte den Kolleg:innen für ihren Einsatz: „Wir haben Desinfektionsmittel hergestellt, flächendeckend Teststrukturen aufgebaut und in NRW einige Millionen Impfstoffdosen für die Verimpfung aufbereitet.“ Dazu habe man in kürzester Zeit Millionen Masken an ältere Menschen und Risikopatienten abgegeben und stelle nun die digitalen Impfzertifikate aus. Overwiening weiter: „Diese Bälle sind uns nach und nach zugeworfen worden, und wir haben diese Bälle wie Jongleure aufgenommen und in der Luft gehalten. Wir sind Corona-Jongleure.“

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