Inzidenz unter 100: Worauf es jetzt ankommt

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Berlin - Die dritte Corona-Welle gilt als gebrochen. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland ist nun erstmals seit längerer Zeit wieder zweistellig. Naht damit schon das Ende der Pandemie?

Nach acht Wochen endlich wieder unterhalb der Schwelle: Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist unter den als kritisch definierten Wert von 100 gesunken. Das Robert Koch-Institut (RKI) bezifferte sie am Freitag auf 96,5. Weniger als 100 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen hatte es zuletzt am 20. März gegeben, mit 99,9. Was jetzt wichtig ist, um die Pandemie auch über den Sommer nicht außer Kontrolle geraten zu lassen:

Impfungen: Bisher sind mehr als ein Drittel der Menschen in Deutschland einmal geimpft, gut jeder zehnte zweifach. Bei Erstimpfungen ist der Schutz allerdings als noch nicht so stark, so dass nicht alle Geimpften unmittelbar für das Infektionsgeschehen irrelevant werden, wie RKI-Präsident Professor Dr. Lothar Wieler kürzlich sagte. Die Impfquote trage aber bereits dazu bei, die Reproduktionszahl zu drücken. Der Wert gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt. Damit in Deutschland weitgehend auf Maßnahmen und Regeln verzichtet werden kann, müssten laut Wieler deutlich über 80 Prozent der Menschen immun sein – also entweder vollständig geimpft sein oder die Infektion durchgemacht haben und einmal geimpft sein.

Experten betonen, dass es noch immer wichtig ist, wen man impft: Bei Gruppen wie Älteren und Vorerkrankten sieht die Ständige Impfkommission (Stiko) aber noch Lücken. Der Epidemiologe Professor Dr. André Karch vom Universitätsklinikum Münster sagte kürzlich, man komme nun immer mehr in einen Bereich, in dem es darum gehe, gefährdete Menschen mit dem Angebot zu erreichen, die sich nicht aktiv selbst um eine Impfung bemühen. Ressourcen dafür einzusetzen, sei vordringlich. Durch eine Aufweichung der Kriterien und weitere Einbeziehung niedriger Priorisierungsgruppen könne man zwar die „schöne Zahl“ der Erstgeimpften in der Bevölkerung erhöhen, sagte Karch. Das helfe aber nicht in gleichem Maße wie das Erreichen der besonders gefährdeten Gruppen.

Maßnahmen: Sie bleiben aus Expertensicht trotz der positiven Entwicklung der vergangenen Tage wichtig. Ein schlagartiges Aufheben würde demnach dazu führen, dass sich das Virus wieder rasant verbreitet. Bei der mittlerweile in Deutschland dominierenden Variante B.1.1.7 stecke ein Infizierter ohne Maßnahmen und in einer nicht immunen Bevölkerung im Durchschnitt etwa vier andere Menschen an, betonte Wieler. Aus 100 Infizierten würden 400, aus 400 dann 1600 und so weiter. Noch reiche die Impfquote nicht aus, um diese massive Ausbreitungsdynamik aufzuhalten. Mit zunehmenden Impfungen könnten aber nach und nach einzelne Maßnahmen zurückgenommen werden.

Wetter: Sonnenschein, weniger Luftfeuchtigkeit, mehr Zeit im Freien, besser gelüftete Räume – mehrere Saison-Effekte können dazu beitragen, das Virus etwas auszubremsen. Manche Experten rechnen dadurch mit einer Verringerung um bis zu 0,5 bei der Reproduktionszahl. Ein schöner Sommer könnte also helfen, diesen Wert unter 1 zu halten. Aber völlig verschwinden wird das Virus auch dann mit einiger Sicherheit nicht. Das legt die Entwicklung in manchen anderen Ländern nahe, wo Fallzahlen auch in Sommermonaten stiegen.

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