Videos für TikTok

„Grausam“: Apothekenangestellte heimlich gefilmt

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Berlin -

Ein Mann hat ohne vorherige Einwilligung in einer Apotheke gefilmt und sich als Paketbote ausgegeben. Später war er noch in weiteren Geschäften unterwegs, um die Videos bei TikTok zu veröffentlichen. Jetzt sucht ihn die Polizei.

Die Polizei in Offenburg sucht einen Mann, der in mehreren Geschäften von den Mitarbeitenden ohne deren Einwilligung Videos für seine Social-Media-Beiträge drehte. Ihm werden urheberrechtliche Verstöße vorgeworfen.

Anfang März filmte er mehrere Angestellte in der Murgtal-Apotheke in Gernsbach. Das Video veröffentlichte er kurz darauf bei TikTok. Der Mann sei am Vormittag in die Apotheke gekommen und habe sich als Paketbote ausgegben, sagt Christina Adami. Die Apothekerin war selbst nicht vor Ort, aber wurde im Anschluss vom Team informiert. „Eine Kollegin kam und sagte, sie hoffe, ich habe nichts bestellt, was zerbrechlich sei.“ Denn der Mann habe das Paket durch die Offizin hinter den HV-Tisch geworfen und heimlich die Reaktion der Angestellten gefilmt.

Mitarbeiter bei TikTok bloßgestellt

Da die Paketlieferanten häufiger wechselten, sei nicht sofort klar gewesen, dass es sich um eine Show gehandelt habe. Hinter seinem „Klemmbrett“ müsse sich eine Kamera versteckt haben. Am nächsten Tag hätten Bekannte einer Angestellten auf das TikTok-Video hingewiesen. „Vier Mitarbeiter waren zu sehen, der Apothekenname wurde nicht genannt, aber es war doch klar, dass es sich um diese handelt.“

Die Apothekerin informierte die Polizei. Vier Angestellten erstatteten Anzeige. „Es ist ein grausames Gefühl, die Mitarbeiter fühlen sich nackt“, so Adami. Ihr Mann Helfried Adami führt die Apotheke seit 2002. Kurz nach Veröffentlichung sei das Video gelöscht worden. Der Mann ist noch unbekannt und wird gesucht. „Ich hoffe, dass ihn die Polizei schnell erwischt.“

Weitere Geschäfte betroffen

Mitte März soll er ein Schnellrestaurant in Bad Rotenfels genutzt und zwei Angestellte aufgenommen haben, die laut Polizei durch die anschließende unautorisierte Veröffentlichung bloßgestellt wurden. In seinem jüngsten Fall filmte er am Mittwoch eine Kassiererin ohne deren Einwilligung und stellte sie mit einem „übergroßen Geldschein und einer gleichermaß absurd großen Bankkarte beim Bezahlvorgang bloß“, eschreibt die Polizei den Fall.

Wer der Mann ist, wisse man noch nicht – eine Anfrage an die Video-Plattform sei aber bereits gestellt worden, sagte ein Polizeisprecher.

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