Die gestrigen Apothekenproteste haben medial Wellen geschlagen. Tagesschau, Zeit und auch der Deutschlandfunk hatten die Schließungen zum Beispiel aufgenommen. Doch nicht alle Medien zeichnen die Proteste in einem positiven Licht. Nach dem heftig kritisierten Kommentar „Keiner braucht die Apotheken“ vor einem halben Jahr hat sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) nun den nächsten Fauxpas geleistet: Über einem Artikel, der mögliche Einschnitte durch die angekündigten Sparmaßnahmen für die Versicherten diskutiert, ist ein Bild des Apothekenprotestzugs in Berlin zu sehen.
„Kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern auf der Kippe“, titelt die FAZ heute. Geschmückt ist der Artikel ausgerechnet mit den Plakaten demonstrierender Apotheker in Berlin – die Bildunterschrift lautet: „Mit Sparen macht man sich im Gesundheitswesen keine Freunde: Pharmazeuten haben am Montag ihre Apotheken geschlossen und sind zu Protesten auf die Straße gezogen.“
Thema des Artikels sind eigentlich die Kassenfinanzen: Rund 12 Milliarden Euro würden im kommenden Jahr fehlen. Da die Koalition aber die Beitragsstabilität verspreche, würden nun umfangreiche Sparmaßnahmen erwartet. „Dagegen aber wehren sich die Gesundheitsberufe“, schreibt der Autor.
Und als Beispiel führt der Autor dann die Apotheken an: Viele Apotheken seien gestern geschlossen geblieben, weil „nach Ansicht der Pharmazeuten Warkens Reformen in die falsche Richtung zielen“. Der Autor verweist zudem kurz auf die Abda, dass es wohl seit 13 Jahren keine Honorarerhöhung gegeben habe, dabei aber die Betriebskosten gestiegen seien. Gleich darauf werden die Kassen zitiert: „Es ist eine Mär, dass die Vergütung der Apotheken seit 2013 stagniert“, so der GKV-Spitzenverband. Zwischen 2013 und 2024 seien demnach die Honorare um 26 Prozent auf rund 7,1 Milliarden Euro im Jahr gestiegen.
Der Rest des Textes befasst sich mit möglichen Einschnitten im Zusammenhang mit den Maßnahmen, die die GKV-Finanzkommission am Montag vorstellen soll, um das Milliardendefizit in der GKV zu stopfen. Fokus ist der mögliche Wegfall der Mitversicherung von Ehepartnern.
Hatte der Autor hierfür wirklich kein sinnvolleres Bild finden können? Die knappe Diskussion im Text und die fehlende Tiefe der Darstellung der Proteste hinterlassen einen bitteren Beigeschmack – fast so, als wären die Apotheken mit ihrem Anteil an den GKV-Ausgaben mitschuldig an den Einschnitten.
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