Inhaber plädiert auf Blauäugigkeit

Betrug mit Wundauflagen: Apotheker vor Gericht

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Berlin -

In Köln stehen ein Krankenpfleger und ein Apotheker vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, Luftrezepte über ein teures Hilfsmittel abgerechnet und die Kassen so um 3 Millionen Euro betrogen zu haben.

Den beiden Angeklagten wird von der Staatsanwaltschaft ein gemeinschaftlich begangener gewerblicher Betrug in 30 Fällen vorgeworfen. Über ein von ihm gegründetes Homecare-Unternehmen forderte der Krankenpfleger spätestens ab 2020 bei Hausärzten Rezepte über teure Wundauflagen an, die die Patienten in Wirklichkeit gar nicht benötigten. Konkret ging es um SymbioInfekt TheraKit mit einem Packungspreis von rund 3400 Euro.

Die Rezepte soll er an die Apotheke des ebenfalls angeklagten Inhabers weitergleitet haben, der die Hilfsmittel aber nie bestellte oder an die Patienten abgab. Stattdessen soll er den Apothekeneinkaufspreis abzüglich 10 Prozent weitergeleitet haben. Zwischen Februar 2020 und Juli 2022 sollen auf diese Weise insgesamt 3,6 Millionen Euro zu Unrecht abgerechnet worden sein.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem gemeinsamen Tatplan aus. Der Apotheker gab am ersten Prozesstag dagegen zu Protokoll, er sei nicht eingeweiht gewesen. Er habe der Aussage vertraut, das Unternehmen könne die Ware direkt billiger beziehen, als Wundversorger nicht selbst mit den Krankenkassen abrechnen. Da die Firma jenseits der Wundauflagen hunderte Rezepte pro Monat eingereicht habe, sei er einfach zu blauäugig gewesen, so der Kölner Pharmazeut.

Im Falle einer Verurteilung muss er den kompletten Betrag zurückzahlen. Etwa 900.000 Euro seien bereits geflossen, monatlich zahle er 10.000 Euro ab. Dass er sich das Geld von seinem Auftraggeber zurückholen kann, ist unwahrscheinlich. Die Firma hat bereits Insolvenz angemeldet.

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