Apothekentest

Glaeske: Bonbon statt Dobendan

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Berlin -

Winterzeit ist Erkältungszeit, kündigt der Moderator des NDR-Magazins „Markt“ an. Und für die Macher der Sendung war es offenbar auch Zeit, mal wieder Apotheken zu testen, diesmal am Beispiel Halsschmerztabletten. Die gaben überwiegend Dobendan ab – das falsche Präparat und zu teuer, kritisieren die Redakteure und Professor Dr. Gerd Glaeske. Aus dessen Sicht machen sich die Apotheker zum verlängerten Arm der Pharmaindustrie.

Für die Sendung, die im Rahmen des Themenabends „Gesundheit“ im NDR ausgestrahlt wurde, haben die Redakteure in zehn Apotheken Mittel gegen Halsschmerzen gekauft. In der ersten erhielten sie Dolo-Dobendan von Reckitt Benckiser (RB) für knapp 6 Euro, in der nächsten mussten sie 9 und in der dritten Apotheke fast 10 Euro zahlen. In der vierten seien sie statt über verschiedene Wirkstoffe über die Geschmacksrichtungen informiert worden und hätten außerdem ein Spray für den Hals empfohlen bekommen, so die Kritik. In der fünften hätten sie für Dolo-Dobendan, Dobendan direkt und ein Zink-Präparat insgesamt 31,33 Euro gezahlt.

In insgesamt neun der zehn getesteten Apotheken erhielten die Redakteure Dobendan-Produkte, sechsmal Dolo-Dobendan und viermal Dobendan direkt. Die zehnte Apotheke verkaufte Lemocin (Novartis). Die Ausbeute zeigten sie Glaeske, der mit seiner Kritik nicht hinterm Berg hielt: „Man gibt Ihnen einerseits zwei Mittel, die bei Halsschmerzen eine Rolle spielen, und zusätzlich auch noch Zinktabletten, angeblich damit Ihr Immunsystem gestärkt wird – das ist schon eine ziemliche Abzocke“, so das Urteil.

Von den Mitteln rät er ab: Bei Dolo-Dobendan kritisierte Glaeske das enthaltene Benzocain, weil es allergisierend wirken könne. „Das ist durchaus kein Mittel, was man so einfach abtun kann.“ Doch in keiner Apotheke sei nach Allergien gefragt oder auf die Gefahr von Unverträglichkeiten hingewiesen worden, kritisieren die Macher der Sendung. RB erklärte in einer Stellungnahme, dass derzeit keine Anhaltspunkte vorlägen, dass bei der Anwendung von Dolo-Dobendan ein erhöhtes Allergiepotential auftrete.

Dobendan direkt andererseits enthalte Flurbiprofen. „Das ist letzten Endes ein Schmerzmittel, was aus der Reihe der Rheumamittel kommt, von dem man aber überhaupt nicht weiß, ob es vernünftig wirkt, wenn man es in diesem Sinne lutscht“, so Glaeske. Daher sei dies ein Produkt, „von dem ich überhaupt nicht überzeugt bin, was ich auch als wenig geeignet bezeichnen würde und was ich auch nicht empfehlen würde“. RB erklärt dazu: „Dank der lokalen Anwendung ist es möglich, mit einer sehr niedrigen Dosierung eine wirksame Linderung der Beschwerden bei Halsschmerzen zu erreichen.“

Auch Lemocin fällt bei Glaeske durch – wegen des enthaltenen Lokalantibiotikums. Lokalantibiotika sollten aus seiner Sicht nicht verwendet werden, da sie Resistenzen begünstigen könnten. Ohnehin würden Halsschmerzen meist durch Viren ausgelöst, heißt es in dem Bericht. Hersteller Novartis verteidigte sein Produkt: „Der Krankheits- und Gesundungsverlauf des Patienten wird optimiert.“

In vielen Apotheken hätten diese Präparate aber in Griffweite gestanden und seien sogar beworben worden. Dobendan werde außerdem vom Hersteller im Fernsehen und Internet angepriesen. Auf seiner Website werbe RB außerdem mit seinem guten Kontakt zu Apotheken.

Glaeske zufolge entsteht der Eindruck, Apotheker seien „der passive verlängerte Arm von Herstellern“. In dieser Position will er die Pharmazeuten aber nicht sehen. Apotheker seien Heilberufler. „Ich würde darum erwarten, dass der Apotheker jenseits der Vermarktung eines Herstellers, jenseits des Interesses, das ein Hersteller hat, seine eigenen Interessen in den Vordergrund stellt, nämlich als der akzeptiert zu werden, der als Arzneimittelfachmann eine Verantwortung hat.“

Die ABDA erklärte gegenüber dem NDR: „Einige Fertigarzneimittel werden stark beworben. Welchen Einfluss das Marketing auf Patientennachfragen und damit in der Folge auf die Vorratshaltung von Apotheken hat, können wir nicht beurteilen.“

Glaeske empfiehlt bei Halsschmerzen übrigens zuckerfreie Hustenbonbons, durch die der Speichelfluss angeregt werde. Dadurch verteilten sich entzündungshemmende und schmerzhemmende Wirkstoffe besser. Günstige Bonbons und Salbeitee hätten die Apotheker aber nicht empfohlen, monieren die Macher der Sendung.

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