Apothekenschließung

Umtrunk zum Abschied

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Berlin -

Nach 40 Jahren Apothekenleitung geht Gabriele Böhner in den Ruhestand. Mit ihr geht auch die Geschichte ihrer Apotheke am Geroldseck im baden-württembergischen Reichenbach zu Ende. Alle Versuche, einen Nachfolger zu finden, seien gescheitert, sagte Böhner der Badischen Zeitung. Damit verliert die Gemeinde ihre einzige Apotheke. Gestern feierte das Team mit einem Umtrunk Abschied von seinen Kunden.

Im Februar 1975 hatte Böhner die Apotheke eröffnet, für Reichenbach war es die erste Apotheke Im Ort. Der Mittelbadischen Zeitung zufolge waren die Patienten zuvor auf die Apotheken in den Nachbarorten Seelbach oder Lahr angewiesen. Die Apotheke am Geroldseck sei ein großer Fortschritt gewesen, direkt an der Hauptstraße gelegen und damit gut zugänglich.

Zu Anfangszeiten war die Apotheke demnach im Hinterdorf angesiedelt. Dort befinde sich heute eine Tierarztpraxis. Bald machte ein zentral gelegenes Lebensmittelgeschäft dicht und bot damit Raum für Böhner: Sie siedelte in die größeren Räume über. 2005 feierten sie und ihr Team mit vielen Aktionen das 30-jährige Bestehen. Mit dem 40-jährigen werden die Türen nun geschlossen. Was mit den Räumen passiere, sei derzeit noch unklar.

Die Betriebserlaubnis erlischt zum 31. März. Eigentlich sei im März schon geschlossen, aber bis zum offiziellen Ende werde die restliche Ware noch verkauft. „Wer Medikamente braucht, kann kommen“, sagte Böhner der Badischen Zeitung.

Viele Reichenbacher seien erstaunt und verunsichert gewesen, da unklar sei, ob eine neue Apotheke im Ort eröffnen werde. Händeringend hatte Böhner nach einem Nachfolger gesucht. Es sei nicht möglich gewesen, einen Interessenten für die Apotheke zu finden – nicht einmal als Geschenk wollte sie jemand nehmen. Die Situation kleiner Landapotheken sei ähnlich wie die von Landärzten.

Auch ihre Tochter Birgit Schirmer wollte die Apotheke nicht übernehmen. Selbständigkeit, Beruf und Familie seien für die Mutter von zwei Kindern nicht vereinbar gewesen, so die Badische Zeitung. Bis noch vor einem Jahr habe sie in der Industrie in Bonn gearbeitet. Als ihre Mutter einmal krank wurde, sei sie in der Apotheke eingesprungen. Dabei habe sie realisiert, dass ihr der Full-Time-Job mit Nacht- und Wochenenddienst zu stressig sei.

Der immer rauer werdende Wettbewerb, etwa mit dem Versandhandel, und ein verändertes Kaufverhalten vieler Kunden hätten sie bewogen, ihre Apotheke zu schließen. Ihre Festangestellten und Teilzeitkräfte hätten alle wieder einen Platz in anderen Apotheken gefunden oder seien von der Konkurrenz abgeworben worden, so Böhner laut der Badischen Zeitung.

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