Apotheken: Zwischen Bevorratung und Bedenken

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Doch nicht nur Bayern selbst trifft die neue Regelung: Die Deutschorden-Apotheke im baden-württembergischen Illerrieden liegt nur zwei Kilometer von der bayerischen Grenze entfernt. „Hier gilt die Pflicht zwar nicht, allerdings fahren die meisten Leute zum Einkaufen nach Bayern – dort müssen sie dann auch die FFP2-Maske tragen“, erklärt Apothekerin Sonja Hartmann. Allein wegen der Verteilaktion hat auch sie sich gut bevorratet. „Wir haben genug da“, versichert sie. Die Nachfrage sei definitiv gestiegen.

Regelung sorgt für Bedenken

Dennoch sieht Hartmann weitere Probleme: „Es ist für viele Leute auch eine Kostenfrage“, meint sie. Schließlich könnten viele noch immer nicht arbeiten und seien finanziell eingeschränkt. „Viele Leute sind daher eher ärgerlich.“ In ihrer Apotheke bietet Hartmann deshalb verschiedene Modelle an – solche aus Deutschland und günstigere Alternativen aus China. Die Beschaffung der Masken sei für die Apotheken allerdings extrem aufwendig. „Wenn man sich die Angebote genau anschauen und die Firmen prüfen will, nimmt das schon sehr viel Zeit in Anspruch“, erklärt sie. Vor allem, wenn man auch billigere Masken anbieten wolle, müsse sorgfältig recherchiert werden. „Wir wollen unseren Kunden ja trotzdem hochwertige Ware anbieten – auch, wenn sie sich die teuren Masken aus Deutschland vielleicht nicht leisten können.“ Die Apothekerin fürchtet, dass wieder vermehrt minderwertige Masken in den Handel kommen, falls die Pflicht auch in weiteren Bundesländern eingeführt wird.

Sie selbst sieht die Regelung skeptisch: „Ich finde das nicht sinnig, denn oft passen die FFP2-Masken gar nicht richtig“, schildert sie aus eigener Erfahrung. „Wenn die Maske nicht dicht abschließt, erfüllt sie jedoch ihren Zweck nicht.“ Sie selbst setzt bislang auf gut passende, selbstgenähte Stoffmasken. „Wenn die Pflicht auch hier kommt, muss ich schauen, wie ich mir die FFP2-Masken passender gestalte.“

Die Deutschorden-Apotheke ist eine der wenigen Apotheken, die zudem ohne Plexiglas-Wände arbeitet. „Für mich machen die Scheiben wenig Sinn“, erklärt die Apothekerin. Schließlich tragen sowohl das Team als auch die Kundschaft konsequent eine Maske und halten Abstand. Den kommenden Wochen sieht Hartmann mit gemischten Gefühlen entgegen: „Die Nerven liegen schon sehr blank, das merkt man auch in der Beratung – aber wir halten die Stellung und versuchen das Beste daraus zu machen.“ Masken sind jedenfalls genug im Lager.

 

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