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Antibiotikaresistenzen: Deutsche wissen wenig

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Berlin -

Dass Antibiotikaresistenzen ein Problem sind, ist allgemein bekannt. Was das aber bedeutet und was man dagegen tun kann, das wissen nur wenige Bundesbürger. Forscher wollen die Bevölkerung nun gezielt aufklären.

Viele Deutsche wissen wenig darüber, wie und warum Antibiotika die Entwicklung resistenter Bakterien fördern können. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von TNS Emnid im Rahmen eines bundesweiten Forschungsprojekts. 70 Prozent der über 1000 befragten Erwachsenen schätzten das Thema Antibiotikaresistenzen zwar als wichtig bis sehr wichtig ein. Aber nur jeder Vierte wusste, dass allein Bakterien Resistenzen entwickeln – und damit schwer behandelbar sind. Mehr als ein Drittel gab „Viren und Bakterien“ an, jeder Fünfte glaubte, dass Menschen resistent werden. Das teilten die Forscher des Projekts Rationaler Antibiotikaeinsatz durch Information und Kommunikation (RAI) mit.

„Die Ergebnisse zeigen, dass das Thema in der Bevölkerung angekommen ist, es aber gleichzeitig noch sehr große Wissenslücken gibt“, sagt Prof. Petra Gastmeier, Direktorin des Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Charité. So meinten drei von fünf Befragten, ihr eigenes Verhalten im Umgang mit Antibiotika habe keinerlei Einfluss auf die allgemeine Entwicklung von Resistenzen.

Ein Irrtum mit Folgen: Denn werden die Medikamente zu kurz oder anders eingenommen als vom Arzt verordnet, überlebt zumindest ein Teil der attackierten Bakterien – und zwar oft in erstarkter, für weitere Gaben des Antibiotikums resistenter Form.

„Eines der größten Versäumnisse in der Vergangenheit war, dass man die Initiativen immer nur auf eine bestimmte Gruppierung beschränkt hat“, sagt der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. In der ersten, derzeit laufenden Projektphase wollen die Forscher sich zunächst in Brandenburg, Berlin und Thüringen um breitere Aufklärung der Bevölkerung über verschiedene Wege bemühen. Die richten sich an Haus- und Tierärzte, Chirurgen und Intensivmediziner, aber auch an Landwirte in der Schweinemast, ambulante Patienten und Fernreisende.

In dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt arbeiten bundesweit Wissenschaftler von Hochschulen und Forschungsinstituten mit Kommunikationsexperten zusammen. Beim bevorstehenden G7-Gipfel auf Schloss Elmau in Bayern werden sich die Staats- und Regierungschefs ebenfalls der Thematik widmen.

Erst jüngst hatten Forscher gewarnt, ohne Umsteuern beim Einsatz von Antibiotika werde sich die Situation durch multiresistente Bakterien drastisch verschärfen. Dann könne die Zahl der Toten von jetzt weltweit etwa 700 000 pro Jahr bis 2050 auf zehn Millionen steigen. Für Europa würde dies einen Anstieg von jetzt etwa 23 000 auf 400 000 Tote bedeuten. Damit würden dann mehr Menschen an multiresistenten Keimen sterben als an Krebs, so die Autorin Elisabeth Meyer, die auch am Charité-Institut für Umweltmedizin und Hygiene tätig ist.

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