Trauriges Jubiläum

50 Jahre Contergan-Skandal dpa / APOTHEKE ADHOC, 30.09.2007 11:17 Uhr

Düsseldorf -

Einer der größten Medizinskandale liegt nunmehr 50 Jahre zurück. Am 1. Oktober 1957 kam das Schlafmittel Contergan in Deutschland auf den Markt. Der Hersteller Grünenthal versprach werdenden Müttern eine ruhige Nacht. Doch das Arzneimittel, das auch gegen Morgenübelkeit wirkt, hat schädliche Auswirkungen auf das ungeborene Kind. Im ersten Trimenon der Schwangerschaft greift es in den Wachstumsprozess ein und verursacht Missbildungen an Armen und Beinen.

Weltweit waren 10.000 Kinder betroffen, etwa 5000 davon in Deutschland. In größerem Umfang war der Wirkstoff Thalidomid außer in Deutschland auch in Japan verkauft worden, außerdem in Schweden, Österreich und den Beneluxländern. In den USA scheiterte eine Markteinführung, weil die Behörden lange zögerten, das Mittel zuzulassen. Thalidomid war dort aber im Rahmen einer Studie verabreicht worden.

Erst vier Jahre nach der Markteinführung wurde Contergan wieder vom Markt genommen. Erste Hinweise auf die fatalen Nebenwirkungen des rezeptfreien Medikaments hatte es bereits zuvor gegeben: Schon 1959 waren Missbildungen bei Neugeborenen bekannt. Doch zunächst reagierte keine Behörde darauf.

Nach sieben Jahren Ermittlungen begann im Mai 1968 bei Aachen der Contergan-Prozess. Am 18. Dezember 1970 wurde das Strafverfahren gegen acht leitende Angestellte von Grünenthal und Inhaber Hermann Wirtz wegen geringer Schuld eingestellt. Die umgerechnet 51 Millionen Euro, die Grünenthal im Rahmen eines zuvor geschlossenen Vergleichs zahlte, seien von neutralen Sachverständigen damals als maximale wirtschaftliche Belastung angesehen worden, erklärt das Unternehmen mit einem Umsatz von 813 Millionen Euro (2006) heute.

Heute leben in Deutschland rund 2700 Opfer. Je nach Schwere der Behinderung werden den Betroffenen bis zu 545 Euro monatliche Rente gezahlt. „Wir haben die schlechteste Rente und die niedrigsten Sätze von allen Ländern, in denen Contergan auf dem Markt war“, kritisiert Margit Hudelmaier, Vorsitzende des Bundesverbands Contergangeschädigter. Für die Opfer bleibt der Fall auch 50 Jahre danach eine „nationale Katastrophe“, wie die betroffene Anna betont.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Weiteres
Markt

Abgabeautomat bleibt verboten

OLG arbeitet Hüffenhardt-Fälle ab»

Versandhandel

BVDVA-Umfrage: Verbraucher wollen Rx-Boni»

Pharmadienstleister

Generationswechsel bei Med-X-Press»
Politik

Apothekerkammer Westfalen-Lippe

Overwiening verteidigt absolute Mehrheit»

Tarifvertrag

SAV und Adexa starten Verhandlungen»

Apothekenstärkungsgesetz

Schmidt: Spahn schreibt für den EuGH»
Internationales

Österreich

Mehr Fake-Medikamente als je zuvor»

Apothekerpetition

„Die Bevölkerung steht hinter den Pharmazeuten“»

Kompetenzerweiterungen

Kanada: Apotheker dürfen impfen und verschreiben»
Pharmazie

Lieferengpässe

Erwinase: Nur noch als Einzelimport»

OTC-Medikamente

Schlafmittel: Experte warnt vor Rx-Switch»

HIV-Medikamente

Kein Festbetrag für Kinder-Viread»
Panorama

LABOR-Debatte

Hitzewelle: Eure Tipps gegen die hohen Temperaturen?»

#WIRKSTOFF.A

Großhändler im Streik – die Hintergründe»

Rekord bei Zulassungen

Biotech-Branche wächst»
Apothekenpraxis

Kritik an BGH-Urteil

Was ist so verwerflich an einer Tube Handcreme?»

Keine Klingel, kein Telefon

Notdienst: Apotheke bemerkt Kunden nicht»

Beratung rettet Leben

„Dann kann nur die Apotheke vor Ort helfen“»
PTA Live

Gesangswettbewerb

Revoice of Pharmacy: Noch schnell bewerben»

Hitzewelle

Fünf Tipps zum Coolbleiben»

Anja Alchemilla

Die Schwierigkeiten der Rückkehr in den PTA-Beruf»
Erkältungs-Tipps

Superinfektionen

Tonsillitis: Hochansteckende Halsentzündung»

Kompetenz-Kolleg

Mission: Abenteuer Atmen»

Nicht gut bei Stimme

Beratungstipps bei Heiserkeit»
Magen-Darm & Co.

Verdauungsbeschwerden

Ernährungstipps bei zu weichem Stuhlgang»

Angepasstes Bakterium

Volkskrankheit: Helicobacter-Infektion»

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn: Wie Betroffene leiden»
Kinderwunsch & Stillzeit

Frühschwangerschaft

B-Vitamine: Geheimwaffe für Schwangere»

Familienplanung

5 Tipps zum Kinderwunsch»

Schwangerschaftsvorsorge

Welche Untersuchungen sind notwendig?»