Kommentar

Zukunft bleibt ungewiss Patrick Hollstein, 13.02.2008 13:04 Uhr

Frankfurt/Main -

Der Machtanspruch von Alliance Boots an der Anzag kam nicht überraschend. Nachdem der britische Milliardenkonzern vier Jahre lang mit nur einer Stimme im Aufsichtsrat der Anzag vertreten war, forderten Repräsentanten auf der Hauptversammlung in Frankfurt nun mehr Mitsprache für den größten Anteilseigner. Mit Zweidrittelmehrheiten zogen vier Vertreter in das Kontrollgremium ein.

Die neue Sitzverteilung dürfte all jenen gefallen, die an eine neue Macht im Großhandelsmarkt glauben. Tatsächlich sieht so mancher Wettbewerbshüter die Eignerkonstellation bei der Anzag mit Sorge. Alle führenden deutschen Großhändler sind am Unternehmen beteiligt; eine Allianz der Wettbewerber gegen den wichtigsten Großaktionär wäre daher für Kartellbehörden, Apotheken und Verbraucher sicher kein gutes Zeichen gewesen.

Auch die Gegensätze zwischen den Geschäftsphilosophien der verschiedenen Wettbewerber hätten die Anzag in einer anderen Aufsichtsratskonstellation vermutlich eher blockiert als gefördert. Der Großhandelsverband Phagro, den Anzag-Chef Dr. Thomas Trümper zusammenhalten muss, ist schon heute wegen der Interessengemengelage und den politischen Ambitionen einzelner Mitglieder enormen Fliehkräften ausgesetzt. Es ist fraglich, wie lange die Anzag als gewissermaßen operatives Gegenstück auf Dauer von dieser Tendenz verschont geblieben wäre.

Insofern haben sich die Aktionäre bei der Wahl der Aufsichtsräte im Sinne einer funktionierenden Anzag entschieden. Nun müssen sich die Sanacorp und Alliance Boots, die über ihre französischen Tochter- beziehungsweise Schwestergesellschaften ebenfalls direkte Wettbewerber sind, beim Frankfurter Großhändler arrangieren. Ob die neue Konstellation den Anzag-Protagonisten dauerhaft Luft verschaffen kann, bleibt jedoch fraglich. Es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis der erste Wettbewerber seine Konsequenzen aus dem Beteiligungs-Patt zieht.

Auch wenn Boots strategischen Partnerschaften mitunter einen großzügigen Zeitrahmen einräumt - irgendwann dürfte Firmenmagnat Stefano Pessina die Fäden seiner deutschen Investments komplett in die Hand nehmen wollen. Was er im Gegenzug den anderen Anzag-Eignern - und damit zum Teil allzu bekannten Mitbewerbern - zugestehen könnte, wird sich zeigen. Möglicherweise wird die Anzag irgendwann eine entscheidende Karte im Poker der großen Drei um die europäischen Pharmamärkte.

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