DocMorris steckt weiter tief in den roten Zahlen: Das vergangene Jahr hat der Versender mit einem dreistelligen Verlust abgeschlossen.
Weder auf der Umsatz- noch auf der Ertragsseite kann DocMorris derzeit bei den Aktionären punkten: Die Erlöse wuchsen gerade einmal um 11 Prozent auf rund 1,12 Milliarden Schweizer Franken (umgerechnet rund 1,29 Milliarden Euro). Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 134 Millionen Franken – im Jahr zuvor waren es noch 97 Millionen Franken. Allerdings hatte der Konzern 2021 mit 226 Millionen Franken und 2022 mit 171 Millionen Franken noch höhere Verluste eingefahren.
In den ersten drei Quartalen wurden sogar noch zusätzliche Marketingaufwendungen für das Rx-Geschäft in Höhe von mehr als elf Millionen Franken locker gemacht, insgesamt beliefern sich die Ausgaben auf 91 Millionen Franken nach 80 Millionen Franken im Vorjahr. Im zweiten Halbjahr trat der Konzern dann auf die Bremse.
Allerdings ergibt sich daraus ein Finanzierungsproblem, denn DocMorris hat auch nach Ausgabe der jüngsten Anleihe nur liquide Mittel in Höhe von 160 Millionen Franken. Davon werden 22 Millionen Franken benötigt, um eine in diesem Jahr fällig Anleihe zurückzubezahlen. Geht der Kapitalabfluss so weiter, braucht der Versender spätestens 2027 frisches Geld.
Der Ausblick liest sich bescheiden: Der Außenumsatz soll in diesem Jahr nur im mittleren einstelligen bis unteren Zehner-Prozentbereich wachsen. Für das Rx-Geschäft in Deutschland wird ein Plus von rund 20 Prozent angepeilt, für den OTC-Bereich entsprechend nur ein Zuwachs im mittleren einstelligen Prozentbereich. Im mittleren zweistelligen Prozentbereich soll die Sparte Digital Services (Teleclinic) wachsen. Das bereinigte Ebitda soll zwischen minus 10 und minus 25 Millionen Franken liegen.
Die mittelfristige jährliche Umsatzwachstumsrate wurde von 20 auf rund 15 Prozent gekürzt, für Investitionen sollen 30 statt 35 Millionen Franken pro Jahr zur Verfügung stehen. Die Ebitda-Marge soll wie bislang geplant bei rund 8 Prozent liegen.
Um die Ertragssituation zu verbessern, will DocMorris unter anderem den Medpex-Standort in Ludwigshafen Ende Juni schließen. Die Logistik wird dann in Heerlen integriert. Ab 2027 soll es alleine dadurch zu einer nachhaltigen jährlichen Verbesserung des operativen Ergebnisses (Ebitda) von mehr als 2 Millionen Euro kommen. Erst einmal fallen aber einmalige außerordentliche Kosten von drei bis vier Millionen Euro an. Den rund 100 von der Schließung betroffenen Mitarbeitern sollen individuelle Abfindungsangebote unterbreitet werden.
„Im Geschäftsjahr 2025 haben wir uns bewusst auf qualitatives Wachstum, die Steigerung unserer operativen Effizienz und technologische Differenzierung konzentriert“, sagt CEO Walter Hess. Und CFO Daniel Wüest ergänzt: „Wir haben unsere Umsatz- und Ergebnisziele für 2025 erreicht und verfügen über eine starke Liquidität. Besonders erfreulich ist die kontinuierliche strukturelle Verbesserung unseres Ebitda in den letzten Monaten. Wir haben unsere Marketingeffizienz für ein gesundes Rx-Wachstum gesteigert. Wir bleiben bei dem klaren Ziel, im Laufe von 2026 Breakeven auf Stufe Ebitda und im Laufe von 2027 einen positiven Free Cashflow zu erreichen.“
Im mit Abstand wichtigsten Markt Deutschland erhöhte sich der Umsatz um 12 Prozent auf rund 1,1 Milliarden Franken. In den übrigen europäischen Märkten setzte der Konzern 63,1 Millionen Euro um und konnte sich aus dem Minus kämpfen.
Im besonders wichtigen Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland verzeichnete der Versender im Gesamtjahr 2025 einen Anstieg um 33 Prozent auf 234,8 Millionen Franken. Das OTC-Geschäft wuchs um 4.8 Prozent in Lokalwährung – trotz Einstellung der Marke Zur Rose per Ende 2024. Teleclinic verzeichnete währungsbereinigt ein Wachstum von 124 Prozent auf 25 Millionen Franken. Die Mediaagentur dmr Advertising verzeichnete einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich.
Die Anzahl aktiver Kunden stieg auf 12,2 Millionen, davon von 10,3 Millionen auf 11 Millionen im Bereich Online-Apotheke und von 0,9 Millionen auf 1,2 Millionen bei Teleclinic.