Kommentar

Linda und der „Vorteil13“

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Bringen lassen statt schicken lassen - „Vorteil24“ ist ein Taschenspielertrick. 100 bleibt 100, auch wenn in der Teilmenge 19 plötzlich zwei Drittel fehlen. Den Gewinn - den „Vorteil13“ - teilen sich die Zauberkünstler genauso wie die Arbeit: Während Linda/MVDA die Zuschauer anspricht, lässt Montanus/Sequalog den Einsatz geschickt verschwinden. Den reibungslosen Ablauf garantiert Phoenix. Das Publikum - Politik, Kassen und Verbraucher - guckt staunend zu.

Nun mag man argumentieren, dass Fingerfertigkeit im deutschen Gesundheitswesen derzeit mehr zu zählen scheint als ehrliches Handwerk: Wenn Kettenkonzerne im Ausland Versandapotheken gründen können, um in ihren deutschen Filialen Arzneimittel auszugeben, sollten deutsche Apotheker ebenfalls nach neuen Wegen suchen - zumindest um den Schuldigen in Politik und Verwaltung eins auszuwischen. Sollten sie?

Linda/MVDA ist eine der ältesten Apothekenkooperationen in Deutschland. Statt auf flüchtige Ideen setzte man in Köln bislang auf seriöse oder nachhaltige Konzepte: Linda/MVDA ist nicht nur Ausstatter der deutschen (!) Fußball-Nationalmannschaft, des ADAC und des Bonusprogramms Payback. Linda/MVDA hat auch, als eine der ersten Kooperationen überhaupt, Verträge mit Krankenkassen abgeschlossen.

Ausgerechnet die Kassen müssen nun aber für „Vorteil24“ zahlen. Zugegeben, auch die andere Seite nimmt es mit der Fairness gegenüber dem Vertragspartner nicht so genau: DocMorris etwa gewährt noch immer Rx-Boni und dürfte eigentlich gar nicht nach Rahmenvertrag abrechnen. Insofern ist „Vorteil24“ auch ein politisches Problem - zeigt es doch, in welchen Strömungen der Berufsstand manövrieren muss. Eine Entschuldigung ist das nicht.

Als apothekereigenes Unternehmen riskiert Linda/MVDA den Wert der eigenen Marke - und zwar kaufmännisch wie politisch. Das Schlupfloch - sofern es denn überhaupt eins ist - dürfte schnell geschlossen werden. Schließlich geht es diesmal nicht „nur“ um Arzneimittelrecht, sondern um Steuerrecht. So lange wird abkassiert. Denn eines haben Linda/MVDA unter Beweis gestellt: Es geht nicht um ein politisches Zeichen. Es geht um Geld.

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