Deal geplatzt

Investor kauft AEP statt Versandapotheke

, Uhr
Berlin -

Der Großhändler AEP gehört demnächst zu The Platform Group (TPG) – der strategische Investor kann damit einen Milliardenumsatz für seine Pharmasparte gewinnen. Entsprechend wichtig war der Deal für CEO Dr. Dominik Benner; seit Herbst hatte er sich massiv um die Übernahme bemüht und mehrere Kaufangebote gemacht. Was bislang kaum Beachtung fand: Um bei AEP zum Zuge zu kommen, ließ er sogar einen anderen Deals platzen: Der im Oktober verkündete Einstieg bei der österreichischen Versandapotheke Vamida wurde abgesagt.

Am 2. Oktober verkündete TPG die Mehrheitsübernahme der Pharmosan-Gruppe mit Sitz in Wien. Ein paar Tage später folgte die Klarstellung, dass es sich nur um eine 50-prozentige Beteiligung handele. Konkret sollte TPG die Hälfte der Anteile an der Holdinggeselllschaft Contracta übernehmen, der wiederum 100 Prozent des Großhändlers Pharmosan sowie 79,5 Prozent der tschechischen Versandapotheke Vamida gehören. Auf diese Weise hätte die Pharmasparte auf einen Umsatz von mehr als 130 Millionen Euro kommen können.

AEP mit mehr Umsatz

Doch mit AEP winkte eine weitaus größerer Deal. Der Großhändler kommt mittlerweile auf einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro und ist damit eine feste Größe im deutschen Markt. Für den wachstumsgetriebenen Investor war dies also eine einmalige Chance, die bis dahin vergleichsweise kleine Pharmasparte zu einer stattlichen Größe zu bringen.

Daher wurde die Übernahme in Österreich still und leise abgesagt: Der Vorstand habe sich entschieden, die Akquisition der Contracta als Closing nicht vorzunehmen, hieß es versteckt in der Mitteilung zur AEP-Übernahme.

Offiziell wird auf kartellrechtliche Bedenken verwiesen: Contracta und AEP seien „in identischen Leistungsbereichen aktiv“. Man habe die Transaktion daher abgesagt, „um etwaige Vorgaben sowie Einschränkungen der Kartellbehörden zu vermeiden“, so eine Sprecherin.

Das klingt allerdings nicht allzu überzeugend, zumal AEP und Pharmosan/Vamida in unterschiedlichen Märkten aktiv sind und auch zusammen keine marktbeherrschende Stellung ausüben würden. Wahrscheinlicher ist, dass dem TPG-Vorstand in Düsseldorf klar geworden ist, dass man mit einer Versandapotheke im Portfolio bei den Kunden von AEP und Aponow keine Blumen gewinnen könnte. So hat sich in diesem Fall sozusagen das Geschäftsmodell der Vor-Ort-Apotheke durchgesetzt.

Guter Journalismus ist unbezahlbar.
Jetzt bei APOTHEKE ADHOC plus anmelden, für 0 Euro.
Melden Sie sich kostenfrei an und
lesen Sie weiter.
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Mehr aus Ressort
Kein anderer Versender verbrennt so viel Geld
Apo.com wächst, Investor muss bluten
Neue Marke mit Dr. Sheila de Liz
Weleda bringt Intimpflege