Homöopathie

Neurodoron-Studie in Apotheken

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Berlin -

Der Naturkosmetikhersteller Weleda will sein homöopathisches Mittel Neurodoron in der Praxis testen. Die Apotheker sollen dem Unternehmen bei der Umsetzung einer nichtinterventionellen Studie helfen, bei der Daten zur Anwenderzufriedenheit mit dem Mittel erhoben werden. Für jeden vermittelten Kunden erhalten die Apotheken 25 Euro.

Die Apotheker sollen passende Kunden ansprechen und mit ihnen zusammen die Aufnahmedokumentation ausfüllen. Der Fragebogen enthält 20 Fragen zum Befinden, außerdem werden einige sozioökonomische Daten für die Statistik abgefragt. Teilnehmende Apotheken erhalten dazu eine recht umfangreiche Mappe. Besonders wichtig ist die Einverständniserklärung des Patienten, dass dessen persönliche Daten an das beauftragte Forschungsinstitut Winicker Norimed in Nürnberg weitergegeben werden dürfen.

Die Apotheken schicken die Patientenbögen zum Institut, einen zweiten Durchschlag erhält der Kunde. Dieser wird anschließend direkt kontaktiert, die Apotheker haben mit der Betreuung der Studie also nichts mehr zu tun. Teilnehmende Apotheken erhalten Bögen für zunächst zehn Patienten. Für jede vollständige Dokumentation gibt es das Honorar von 25 Euro, das quartalsweise ausgezahlt wird.

Weleda hatte im Oktober angefangen, Apotheken anzuschreiben. Von den bislang rund 2000 kontaktierten Apotheken hatten im Dezember 132 einen Vertrag unterzeichnet. 84 Patienten haben den ersten Bogen abgeschickt, 45 sind komplett abgeschlossen. Der ursprüngliche Plan war, bis Ende Mai 500 vollständig dokumentierte Patienten zu haben. Hierzu sollten mindestens 700 Patienten zum Start gewonnen werden. Den etwas schleppenden Beginn kennt man bei Weleda aber aus früheren Untersuchungen.

Bei der Auswahl der Teilnehmer sollen Kunden nach dem Kauf von Neurodoron angesprochen werden. Geeignet sind demnach Patienten mit einer „nervösen Erschöpfung mit Symptomen, die durch akuten und/oder chronischen Stress hervorgerufen werden“. Nach einer Beobachtungsdauer von drei Wochen bekommen die Patienten einen zweiten Bogen für eine erneute Selbsteinschätzung zugeschickt.

Patienten mit Überempfindlichkeit gegen Weizenstärke, Laktoseunverträglichkeit sowie bei begründetem Verdacht, dass eine akute Erkrankung ohne ärztliche Behandlung vorliegt, dürfen nur nach Absprache mit dem Arzt teilnehmen. Auch in der Schwangerschaft und Stillzeit sollen Patienten nur nach Einnahmeempfehlung durch einen Arzt teilnehmen.

Zum Abschluss der dreiwöchigen Beobachtungsphase gibt es dieselben 20 Fragen zum Befinden. Subjektiv sollen die Patienten auch die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Neurodoron beurteilen sowie genaue Angaben zu Dosierung und ihrem Einnahmeverhalten machen.

Weleda nutzt die Gelegenheit zudem für eine Konkurrenzanalyse. Die Patienten werden auch nach anderen Produkten gegen stressbedingte Beschwerden befragt. Die Teilnehmer sollen die Wirksamkeit und Verträglichkeit etwa von Baldriparan, Euvegal, Hoggar, Lioran oder Vivinox auf einer fünfstufigen Skala bewerten.

Etwa die Hälfte der Teilnehmer erhält zusätzlich das Buch „Burnout – neue Kraft schöpfen“ von Dr. Frank Meyer. Damit soll zumindest im Ansatz eine Kontrollgruppe entstehen, die andere Faktoren berücksichtigt. Diese Teilnehmer werden in der zweiten Auswertung auch zu den Wirkungen der dort beschriebenen Übungen wie Atemmeditation oder Arbeitsplatz-Yoga befragt.

Bei Weleda geht man davon aus, dass sich etwa 100 Apotheken beteiligen müssen, damit die gewünschte Anzahl von 500 Patienten erreicht wird. Bis August soll die statistische Auswertung abgeschlossen sein, der Abschlussbericht ist für den Dezember vorgesehen.

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