Auch am Großhandel spürt man den wachsenden Druck auf die Apotheken vor Ort. In einem großen Beitrag in der Süddeutschen Zeitung (SZ) mahnt Noweda-Chef Dr. Michael Kuck vor dem weiteren Ausdünnen der Vor-Ort-Versorgung. Immer wieder könnten Apotheker schon heute ihre Rechnungen nicht begleichen.
Zunächst stehen im Beitrag die Lieferengpässe im Vordergrund. Generika mit Candesartan, Metformin und hochdosiertes Ibuprofen seien beispielsweise auf der Liste. „In den vergangenen Wochen hätte Kuck allein Tausende Packungen dieser Medikamente zusätzlich gebraucht. Aber die Hersteller konnten nicht liefern“, schreibt die SZ. Bei Noweda habe man gelernt die Engpässe zu managen: „Nicht alle Apotheken bekommen alles, was sie bestellt haben“, wird Kuck zitiert, der laut eigener Aussage die Hälfte der Apotheken beliefert.
Doch eben jene Hälfte werde zunehmend kleiner, aufgrund der sinkenden Apothekenzahl. Im Folgenden erklärt der Beitrag, wie die Apothekerschaft nun um die versprochene Honorarerhöhung kämpfen. Dass es vielen Apotheken wirtschaftlich schlecht geht, spüre auch die Noweda. Das Volumen der Forderungsausfälle nehme zu, heißt es: „Immer wieder könnten Apotheker ihre Rechnungen nicht begleichen“, so die SZ.
Den Menschen sei die Versorgung vor Ort wichtig, ein funktionierendes Netz aus Apotheken auch. „Ob die regionale Verteilung so stimmt, kann man diskutieren“, so Kuck. Während mancherorts Apotheken dicht beieinander sind, sind die Wege in anderen Regionen bereits heute weit. Sparen lasse sich bei den Apotheken nicht, sagt Kuck, auch würden diese das Gesundheitswesen nicht retten, so Kuck. Der demographische Wandel würde mehr Menschen in die weniger werdenden Apotheken bringen: „Die Warteschlange wird immer länger, wenn weniger Apotheken die gleiche Masse versorgen müssen.“
Die Noweda setze sich dabei für die Apotheken ein und gegen den unfairen Wettbewerb, der unter anderem durch niederländische Versender betrieben würde. DocMorris, Redcare und dm seien „Rosinenpicker“, die wie öffentliche Apotheken auftreten, sich aber nicht an einen vorgeschriebenen Versorgungsauftrag halten müssten.
Die vom Großhandel genutzte Mischkalkulation stimme nicht mehr, wenn immer mehr rezeptfreie Mittel über die großen, ausländischen Versender bezogen würden. An vielen Arzneimitteln würde der Großhandel nicht mehr verdienen, bei Abnehmspritzen beispielsweise, auch wegen des teureren, gekühlten Transports. „Das bekommen wir aber nicht vergütet.“ Pro Rx-Packung bekomme der Großhändler 73 Cent plus maximal 3,15 Prozent des Abgabepreises – maximal aber 38,53 Euro, also ein Deckel für Präparate, die über 1200 Euro liegen. Dabei seien gerade diese kostenintensiv: „Die lagern wir ein, die müssen wir oft kühlen, brauchen also Kühlhäuser, und den Einkauf finanzieren wir vor“, so Kuck. „Hochpreiser rechnen sich für uns oft nicht.“
Der Fokus auf lukrative Segmente mache den Markt kaputt. „Wir lassen es zu, dass Glücksritter unsere gute Infrastruktur für die Arzneimittelversorgung zerstören.“ Komme es zu Krisenlagen, wären ausländische Versender sicher keine Lösung, während das deutsche dezentralisierte System die Resilienz erhöhe. Gegen die Ungerechtigkeit kämpfe die Noweda auch vor Gericht, man scheue juristische Auseinandersetzungen nicht – ob gegen Shop Apotheke oder gegen Konkurrenten Phoenix. „Kuck wirkt wie ein Mann, der um jeden Euro kämpft, auch mit anderen Pharmagroßhändlern“, so die SZ.
Die Erlöse würden zwar steigen, der Deckungsbeitrag aber nicht in gleichem Maß, man müsse sich anstrengen, so Kuck: Banken fragten jetzt härter nach als früher. Bei Noweda wolle man gegensteuern, unter anderem mit dem Ausbau von IhreApotheken.de auch für Impftermine, mit einem Botendienst-Angebot, der Kundenzeitschrift MyLife heraus oder der Kooperation mit der Hautarzt-App Dermanostic.
„Apotheken müssen mit der Zeit gehen und mehr bieten, um Kunden zu binden“, so Kuck. Er rechne laut Beitrag mit einem weiteren Rückgang der Apotheken, auch wegen der Vielzahl an Inhaber:innen, die kurz vor der Rente stünden, sowie der politischen Rahmenbedingungen. „Der Frust in der Apothekerschaft ist groß“, schließt die SZ-Autorin mit den Worten von Kuck.
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