Fälschungsschutz

Mucos: Tesa statt Securpharm

, Uhr
Berlin -

Mucos will seine Präparate Wobenzym (Bromelain, Trypsin, Rutosid) und Phlogenzym (Bromelain) fälschungssicher machen. Dabei setzt das Unternehmen allerdings nicht auf Securpharm, das in Deutschland bereits von 300 Apotheken getestet wird, sondern auf den Klebebandhersteller Tesa, der zur Beiersdorf-Gruppe gehört.

Mucos will nach und nach alle Präparate und alle Packungsgrößen mit den individuell codierten Etiketten von Tesa Scribos versehen. Auch wenn das Unternehmen nach eigenen Angaben bislang kein Opfer von Fälschungen geworden ist, will man sich auf diese Weise vor Produktpiraterie schützen. Dabei hält Mucos das Tesa-System für die weltweit einzige Möglichkeit, Fälschungen vorzubeugen.

Die Sicherheitssiegel Prio Spot, das Mucos nutzt, ist ein Polymer-Etikett mit verschiedenen offenen und verdeckten Sicherheitsmerkmalen. Jedes Etikett wird laut Tesa Scribos auf bis zu sieben unterschiedlichen Verifikationsebenen beschriftet. Einige Merkmale sind unmittelbar sichtbar und können auch von Patienten selbst geprüft werden.

Dazu gehören etwa die individuelle vierstellige Seriennummer, die bei direktem Licht in Regenbogenfarben schimmert, und der sogenannte Moving Code, der bei starkem Licht sichtbar wird und die letzte Ziffer der Seriennummer wiederholt. Diese Beschriftung lasse sich weder drucktechnisch noch holografisch reproduzieren. Der Prio Spot kann außerdem – wie bei Mucos – mit einem 2D-Matrix-Code ausgestattet werden. Die Seriennummer wird dadurch maschinenlesbar und kann auf www.original-mucos.com überprüft werden.

Eine Sprecherin von Tesa Scribos ist überzeugt: „Gedruckte Datamatrix-Codes wie bei Securpharm genügen nicht, um die Originalität eines Produktes zu garantieren.“ Denn diese Kennzeichnungsmethoden könnten einfach kopiert und tausendfach nachgeahmt werden. Auch eine Online-Verifikation bietet aus Sicht von Tesa Scribos keinen unmittelbaren Schutz: „Denn sie prüft nur, ob der eingegebene Code mit dem Ursprungscode übereinstimmt und ob er schon einmal eingegeben wurde“, so die Sprecherin.

Fälscher könnten einfach die Codes einzelner Verpackungen palettenweise innerhalb der Logistikkette einscannen und sie dann so oft wie gewünscht wieder ausdrucken. Welcher Code bei der Abgabe in der Apotheke zuerst eingegeben werde, entscheide am Ende darüber, welchen Code das System als Original ausweise – den nachgedruckten Code auf der Fälschung oder den Originalcode auf dem Originalprodukt, erklärt sie.

Tatsächlich gab es im vergangenen Jahr bereits Berichte, dass die geheime Software, mit der die Verpackungen hergestellt werden, von internationalen Banden gehandelt wird. Ein Securpharm-Sprecher gab Entwarnung: „Mit der angesprochenen Software sind die hinterlegten Druckvorlagen gemeint.“ Die Vorlagen machten es den Fälschern zwar leichter, da der Zoll nicht mehr durch das Fehlen eines Codes auf eine Fälschung schließen könne – an Securpharm kämen die Fälscher damit aber nicht vorbei.

Für die Sprecherin von Tesa Scribos macht der Fall aber deutlich, dass es neben den Codes ein physisches Beweismittel braucht, um Originalität zu garantieren. Die Systeme von Tesa Scribos werden nach Angaben des Herstellers von vielen Unternehmen im Pharmabereich genutzt. Oft wollten die Kunden aber nicht genannt werden, so die Sprecherin.

Die Entdeckung, dass sich der Tesafilm als Datenspeicher eignet, machten 1998 die Physiker Dr. Steffen Noehte und Matthias Gerspach an der Universität Mannheim. Drei Jahre später wurde Tesa Scribos gegründet. 2004 ging der Holospot in die Produktion, den Prio Spot gibt es seit 2012.

Mitte dieses Jahres soll die EU-Fälschungsrichtlinie um eine Verifizierungspflicht für Arzneimittel erweitert werden. Für die Umsetzung sind die beteiligten Akteure verantwortlich, drei Jahre haben sie Zeit. Spätestens 2018 müssen Hersteller, Großhändler und Apotheken Arzneimittel eindeutig identifizieren und Fälschungen ausschließen können.

Grundsätzlich werden alle Rx-Medikamente kennzeichnungspflichtig. OTC-Präparate werden ausgenommen, da sich in den Mitgliedstaaten unterscheidet, welche Präparate als OTC abgegeben werden und welche in Supermärkten und Tankstellen erhältlich sind. Außerdem wird es Ausnahmen geben; entsprechende Listen sollen unter Berücksichtigung von Preis und Absatzvolumen, Fälschungsrisiko und des sich aus der Fälschung ergebenen Risikos erstellt werden.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Genossenschaft passt Konditionen an
Sanacorp: Staffelskonto für Dekadenzahlung
Mehr aus Ressort
E-Rezept schon eingepreist
Redcare: Aktie crasht

APOTHEKE ADHOC Debatte