„Strukturierte Nachfolgeplanung“

DocMorris: Aktionär unterstützt Oberhänsli

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Berlin -

Bei DocMorris kommt es zum Showdown unter den Großaktionären: Nachdem der polnische Pharmahändler Pelion den weitgehenden Austausch des Verwaltungsrats gefordert hat, hält der britische Finanzinvestor Sterling am langjährigen Firmenchef Walter Oberhänsli fest.

Sterling hält seit Dezember rund 3,2 Prozent der Aktien an DocMorris und ist damit als Aktionär deutlich kleiner als Pelion, der ein halbes Jahr zuvor im Rahmen der Kapitalerhöhung eingestiegen war und über seine niederländische Tochtergesellschaft CEPD knapp 14 Prozent der Anteile eingesammelt hat.

Mit Blick auf die Generalversammlung im Mai legte Sterling in der vergangenen Woche seinen Standpunkt zur Neubesetzung des Verwaltungsrats dar: Anstelle eines Umbruchs fordere man „maßvolle Veränderungen, Kontinuität in der Führung und eine ausgewogene Vertretung im Verwaltungsrat“, heißt es in der Erklärung.

„Sterling ist der Ansicht, dass sich DocMorris an einem kritischen Punkt befindet und gezielte Anpassungen im Verwaltungsrat angemessen sind, um die nächste Entwicklungsphase des Unternehmens zu unterstützen“, heißt es weiter. Man unterstütze daher den Vorschlag des Unternehmens, drei neue Verwaltungsräte aufzunehmen, und habe in den vergangenen Wochen auch darauf hingewirkt. Die Entscheidung des stellvertretenden Verwaltungsrat Professor Dr. Stefan Feuerstein, keine Wiederwahl anzustreben, werde als konstruktiver Schritt angesehen.

Giulia Nobili, Chairwoman von Sterling, sagte: „Wir halten die Wahrung der Kontinuität auf der Ebene des Verwaltungsrates für entscheidend. Wir befürworten, dass Walter Oberhänsli in dieser ersten Phase der Umstrukturierung der Unternehmensführung weiterhin den Vorsitz des Verwaltungsrates innehat, um Stabilität zu gewährleisten, während das Unternehmen seine Strategie umsetzt. Die strukturierte Nachfolgeplanung sollte ab 2027 fortgesetzt werden.“

Dass Pelion eine Vertretung im Verwaltungsrat wolle, sei angesichts der Stellung als bedeutender Aktionär angemessen. „Sterling ist jedoch der Ansicht, dass diese Vertretung verhältnismässig bleiben sollte und es deshalb nicht angemessen ist, dass Pelion zusätzlich zu einem weiteren unabhängigen Kandidaten zwei direkte Vertreter, darunter den Verwaltungsratspräsidenten, stellt.“

Antrag gegen Oberhänsli

Pelion wirft dem Management und dem aktuellen Verwaltungsrat „wiederholte Verfehlungen in der Strategieumsetzung und der Prognose“ vor, die zu einem Kursverlust von 98 Prozent über die vergangenen fünf Jahre geführt hätten. Daher werde man einen Antrag einreichen, Oberhänsli als Verwaltungsratspräsident abzulösen. Er müsse die Verantwortung für die Geschäftsentwicklung des Unternehmens übernehmen und von seinem Amt zurücktreten, so die Forderung.

Ziel sei es, den Verwaltungsrat grundlegend neu aufzustellen. Pelion schlägt sechs Kandidaten vor, darunter den früheren Celesio-CEO Dr. Fritz Oesterle als designierten Präsidenten, Mariola Belina-Prażmowska von Pelion als Mitglied des Verwaltungsrats sowie vier unabhängige Kandidaten, die „eine Kultur der Verantwortung schaffen und das signifikante Wertschöpfungspotenzial von DocMorris nachhaltig erschließen sollen“.

Oberhänsli stand seit der Gründung an der Spitze von Zur Rose, hatte das Unternehmen erst als Ärztegroßhandel aufgebaut und schließlich 2004 den Sprung in den deutschen Markt gewagt. Mit viel Fördergeld entstand die gleichnamige Versandapotheke in Halle/Saale, im vergangenen Jahr wurde der Standort aufgegeben. 2021 wechselte Oberhänsli in den Verwaltungsrat, sein Nachfolger als CEO wurde Walter Hess. Schon bei der Generalversammlung im vergangenen Jahr wurden Forderungen laut, Oberhänsli solle von seinem Amt zurücktreten.

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