Porträt

„Der General“ der Pharma-Lobby

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Cornelia Yzer ist Lobbyistin aus Leidenschaft. Als Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) kämpft sie seit 1997 an vorderster Front für die Interessen der Pharmaindustrie und ihrer Verbandsmitglieder.

Geboren wird Cornelia Yzer am 28. Juli 1961 in Lüdenscheid. Dem Abitur folgt 1981 ein Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Münster und Bochum. Bereits zu Studienbeginn ist ihr klar, dass sie nicht bei Gericht arbeiten will. Stattdessen steigt sie mit 28 Jahren als Umweltschutz-Referatsleiterin bei der Bayer AG Leverkusen ein.

Als Schülerin tritt sie 1978 in die Junge Union ein. Von 1985 bis 1986 gehört sie dem JU-Landesvorstand und ab 1987 auch dem CDU-Landesvorstand in Nordrhein-Westfalen an. Mitglied des Kreistages Märkischer Kreis ist sie von 1989 bis 1991, wenig später zieht sie per Direktmandat in den Bundestag ein. Kurz darauf wird sie die jüngste Staatssekretärin in Kohls Regierung, im damaligen Ressort "Frauen und Familie". Nach der Wahl 1994 wechselt Yzer in gleicher Funktion ins Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Bio- und Gentechnologie, der "Schlüsselindustrie des 21. Jahrhunderts", wie sie sagt.

1997 gibt sie ihr Ausscheiden als Staatssekretärin bekannt. Nur zwei Monate später übernimmt sie die Spitze des VFA und gerät damit öffentlich unter Druck. Der Vorwurf: Sie mache ihr Insiderwissen zu Geld. Die Diskussion um Yzer führt zu einer verschärften Regelung für Übergangsgelder ausscheidender Minister und Parlamentarische Staatssekretäre. Yzer verzichtet auf das Geld. "Politik halte ich nach wie vor für hochspannend", sagt sie heute. "Ich bin immer jemand gewesen, der sich eine Meinung bildet und für Positionen streitet." Ihre gesammelten Erfahrungen haben sich bezahlt gemacht: So gehen die Verhinderung der Positivliste oder die Rücknahme der geplanten Preissenkungen für patentgeschützte Medikamente auf ihr Konto. Das Geheimnis ihres Erfolges: Einerseits kenne sie die politischen Entscheidungskanäle, andererseits wisse sie genau, „wann Lobbyisten lästig werden“.

Die verabschiedete Gesundheitsreform stimmt die VFA-Geschäftsführerin skeptisch: "Die Reform hat den Stresstest in der Praxis noch vor sich und ich bin mir sicher, dass so mancher Theoretiker Überraschungen erleben wird.“ Sie kritisiert den Staat, weil er Fehler im verkrusteten und verbürokratisierten Gesundheitssystem an der Industrie auslassen wolle. Ihre Forderung: mehr Wettbewerb. Dafür kämpft sie mit harten Bandagen.

Im Bundesgesundheitsministerium wird sie wegen ihrer zuweilen militant anmutenden Haltung auch „der General“ genannt. Von ihren Mitarbeitern erwartet sie „Engagement, Präzision und Zuverlässigkeit". Fehler verzeihe sie nur einmal. Diese Selbsteinschätzung bestätigen auch Ex-Mitarbeiter. "Sie kann schwierig sein", heißt es im Verband.

Zähmen lässt sich Yzer nur von ihrer Tochter: "Ich bin begeisterte Mutter", erklärt sie. Deswegen ist Urlaub der Alleinerziehenden heilig. In ihrer spärlichen Freizeit liest sie viel: Am liebsten Biografien, auch aus früheren Jahrhunderten. Und Klassiker, die sie als Reclam-Heftchen auf Reisen dabei hat.

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