Platform Group schlägt zu

AEP ist verkauft

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Berlin -

Der Großhändler AEP ist verkauft. The Platform Group (TPG) übernimmt das Unternehmen mit Sitz in Alzenau.

Neben der Österreichischen Post als Mehrheitsgesellschafterin haben auch die anderen Anteilseigner von AEP ihre Beteiligungen abgegeben. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt gemacht. Im Oktober hatte das Manager Magazin berichtet, dass TPG der Österreichischen Post bereits mehrere Kaufangebote für deren 52 Prozent gemacht hatte. Zunächst sollen es insgesamt 55 Millionen Euro gewesen sein, später wurde auf 60 Millionen Euro erhöht.

Für CEO Dr. Dominik Benner ist der Zukauf eine logische Unternehmenserweiterung: „Mit AEP vollziehen wir den nächsten Schritt zur Ausweitung und Etablierung unserer Geschäftsstrategie im Pharmabereich. Mit AEP erreichen wir nun eine neue Stufe der Wertschöpfung und werden zunehmend zum Komplettanbieter für Apotheken. Unser Ziel ist die Stärkung lokaler Apotheken und insbesondere die Verbindung mit den digitalen Aktivitäten unserer Gruppe.“

Auch Dr. Heike Brockmann, CEO von AEP, sieht die Übernahme durch TPG positiv: „Das Ziel der AEP ist und bleibt, für die Apotheken vor Ort langfristig ein starker Partner zu sein. Mit The Platform Group gewinnen wir einen Eigentümer, der in dieser wichtigen Phase frische Impulse für zusätzliches Wachstum und Reichweite setzen kann. Beide Unternehmen können durch die Erfahrungen des anderen profitieren, was vor allem auch der Apotheke vor Ort dabei helfen wird, ihre Position in der Mitte der Gesellschaft zu festigen.“

AEP trifft Aponow

Vor drei Jahren übernahm das Unternehmen die Plattform Aponow. Unlängst wurde der österreichische Großhändler Pharmosan samt der tschechischen Versandapotheke Vamida jeweils zur Hälfte übernommen.

TPG geht zurück auf Fashionette; der Versandhändler für Mode war 2020 an die Börse gebracht worden und sollte zu einem neuen Zalando werden. Stattdessen wurde das Unternehmen zur Holding für zahlreiche kleinere Plattformen, darunter Schuhe24, Joli Closet, My Glasses, Hood.de, Avocado Store, Herbertz, Möbel First, Fahrrad-Teile.shop und viele mehr. Ein Teil des Geschäfts sind Leistungen für die Industrie und Partner; in Gladbeck gibt es ein eigenes Fulfillment Center. Mehr als zwei Drittel der Anteile gehören der Holding von Benner.

Außenseiter unter den Großhändlern

AEP hat rund 250 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Das Unternehmen war 2013 gegründet worden und beliefert die Apotheken nur einmal am Tag vom Zentrallager aus und über die Flotte des Logistikpartners Trans-o-flex. Dafür verspricht AEP seit jeher gute und vor allem transparente Konditionen, der erste Skonto-Streit vor dem Bundesgerichtshof (BGH) drehte sich sogar um die Rabatte des Unternehmens.

Rund 6000 Apotheken nutzen das Angebot, allerdings vielfach als Zweitlieferant. Eine Zeitlang musste das Unternehmen sogar vermeiden, als Lieferant nur für margenschwache Hochpreiser eingespannt zu werden. Neben Phoenix und Gehe/AHD, den beiden Genossenschaften Noweda und Sanacorp sowie den privaten Großhändlern ist AEP ein wichtiger Player im Markt.

Die Ursprünge reichen sogar bis ins Jahr 2011 zurück: Damals entwickelte der Berliner Unternehmensberater Professor Dr. Nikolaus Fuchs für Celesio verschiedene Konzepte, um den Pharmagroßhandel rationaler zu gestalten. In Stuttgart wurde damals auch darüber nachgedacht, über die Post, FedEx oder einen anderen Logistiker liefern zu lassen.

Doch dann griff die Österreichische Post das Konzept auf, da sie durch den Einstieg ins Großhandelsgeschäft für eine bessere Auslastung bei ihrer damaligen Tochterfirma Trans-o-flex sorgen wollte. Zu den Investoren gehörten neben dem Konzern auch Dr. Andreas Eckert, Vorstandschef von Eckert & Ziegler (8 Prozent), der frühere österreichische Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein sowie dessen Familieunternehmen Gerot Lannach (GL Pharma) mit in Summe 26 Prozent sowie zwei Fonds von Fuchs (7,5 Prozent). Mittlerweile gehört Trans-o-flex zum französischen Konzern Geodis.

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