Abgabefächer

Abholautomat für Apotheken

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Berlin -

Abholer nach Ladenschluss: Apotheker Thorsten Leiter legt Bestellungen auf Wunsch in einen Automaten. Kunden erhalten einen Code zur Freigabe und können die Ware später abholen. Der Inhaber der Uhland Apotheke im baden-württembergischen Schorndorf nutzt das Gerät seit Mitte Mai. Die Technik wird von der Firma Pharma Service Systeme (PSS) angeboten.

Der Automat steht vor der Apotheke und wird per Hand bestückt. Die Temperatur im Schrank entspricht mit 25 Grad Celsius den Vorgaben der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO). Der Automat sauge die Innenluft der Apotheke an, so Leiter. Kühlartikel würden aber nicht in die Fächer gelegt.

Der Kunde erhält nach der Bezahlung einen Abholcode, der individuell kreiert und mit der Ware verknüpft wird. Dadurch werde ein Missbrauch ausgeschlossen, sagt der Apotheker. Ist die bestellte Ware geliefert, wird der Kunde per SMS oder E-Mail informiert. Im Schnitt werde der Automaten täglich etwa drei bis fünfmal genutzt. Mit dem Gerät will Leiter nicht in erster Linie Kosten sparen. „Mir geht es um den Servicegedanken und die Kundenbindung“, sagt er.

Der Apotheker sieht das Abgabeterminal lediglich als Ergänzung. „Ich will die Kunden nicht künstlich aus meiner Apotheke weghalten.“ Das Angebot richte sich beispielsweise an Berufstätige, die ihre Bestellung erst nach den Öffnungszeiten abholen könnten. Die Beratung findet zuvor bei der Bestellung statt.

Leiter hat sich für den kleinsten Automaten entschieden. PSS bietet insgesamt vier unterschiedliche Größen mit 14, 30, 60 oder 90 Fächern an. Die Preise rangieren zwischen 9500 Euro für die Minivariante bis 22.500 Euro für den XL-Automaten. Die Aufsichtsbehörden haben mit dem Konzept laut Unternehmensangaben keine Probleme.

Bislang seien 60 Automaten verkauft, sagt Inhaber und Geschäftsführer Karl Peter Mödinger. Am meisten werde die Standard-Version mit 60 Fächern nachgefragt, sagt er. Bei der Größe gebe es räumliche Beschränkungen. Außerdem sei es auch eine Philosophie-Frage der Inhaber, so Mödinger. Ein Notdienstterminal sei bei der Mini-Version kombinierbar.

Das 2011 gegründete Unternehmen mit Sitz im baden-württembergischen Reichenbach erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 700.000 Euro. Abseits des Apothekenmarktes ist PSS an der Entwicklung von Förder- und Automatisierungstechniken sowie im Bereich Bluetooth tätig.

Die Abgabe von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln über ein Automatensystem mit Videokonferenz war bereits 2010 durch das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) untersagt worden. Carefusion/Rowa hatte daraufhin sein Terminal Visavia angepasst und in Rheinland-Pfalz zusammen mit Landespolitikern einen neuen Anlauf gestartet.

Das Pilotprojekt wurde im vergangenen Jahr vom Gesundheitsministerium Rheinland-Pfalz jedoch gestoppt. Die Landesapothekerkammer (LAK) hatte keine notwendige Zustimmung zum Einsatz des Abgabeterminals gegeben.

Bei Visavia konnten Patienten Medikamente aus dem Terminal beziehen. Über einen Bildschirm wurden sie von einem Apotheker beraten, auch Rezepte konnten eingelesen werden.

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