Wenn der Bauch verrückt spielt

Dysmotilitäten im Verdauungstrakt APOTHEKE ADHOC, 07.05.2019 15:21 Uhr

Berlin - Sämtliche Beschwerden rund um den Magen-Darm-Trakt hängen mit ihnen zusammen: Motilitätsstörungen im Bauchraum. Doch was genau steckt eigentlich dahinter und was macht diese Bauchbewegungen aus? Und in welchen Fällen ist die Motilität Auslöser für Bauchschmerzen, Übelkeit und Co?

Als Motilität werden die Vorgänge des rhythmischen Zusammenziehens und Entspannen der Muskelgewebe von Magen und Darm bezeichnet. Wichtig ist hier zwischen der viszeralen Motilität, also Darmmotilität oder Peristaltik und der zellulären Motilität wie Spermienmotilität oder Motilität von Makrophagen zu unterscheiden. Ist die viszerale Motilität eingeschränkt spricht man auch von gastrointestinalen Motilitätsstörungen. Dahinter kann sowohl eine zu starke Bewegung, zum Beispiel durch verkrampfende Muskeln, aber auch eine verringerte Beweglichkeit durch zu wenig Spannung der Muskeln stecken.

Koordiniert wird die Motilität vom enterischen Nervensystem (ENS), auch Darmnerven- oder intramutales System genannt. Es besteht aus mehr als 100 Millionen Nervenzellen und steuert die Motilität autonom, also unabhängig vom zentralen Nervensystem (ZNS). Das ENS besteht aus zwei Nervengeflechten, welche in die Darmwand eingebettet sind: Plexus myentericus, auch als „Auerbach-Plexus“ bekannt und Plexus submucosus alternativ auch als „Meissner-Plexus“ bezeichnet. Ersteres liegt zwischen Ring- und Längsmuskelschicht und reguliert neben der Darmmotilität auch Sekretion von Enzymen in das Darmlumen. Der Plexus submucosus liegt intramutal, wie der Name verrät in der Submukosa. Auch er kontrolliert die Peristaltik. Außerdem ist er auch an der Regulation immunologischer Vorgänge beteiligt.

Leichtere intestinale Motilitätsstörungen sind außerordentlich häufig und betreffen allein in Deutschland Millionen von Menschen. Die meisten Beschwerden liegen im Rahmen akuter gastrointestinaler Infekte vor. Aber auch die Anzahl von Chronikern, zum Beispiel im Rahmen eines Reizdarmsyndroms oder unterschiedlicher Nervenkrankheiten ist hoch. Eine typische Symptomatik gibt es nicht. Die Motilitätsstörungen äußern sich vielfältig: Meistens klagen Betroffene über Magenschmerzen, Bauchkrämpfe, Blähungen, Verstopfung, Durchfall oder Übelkeit und Erbrechen. Auch Sodbrennen ist nicht selten: Durch eine verminderte Bewegung der Magen-Muskulatur wird Speisebrei vermindert abtransportiert. Das Hohlorgan ist bis oben gefüllt und der saure Magensaft steigt eher in die Speiseröhre auf.

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