Großbritannien

Fälscher erfinden Apothekenkunden

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Berlin -

Der Handel mit gefälschten Arzneimitteln ist lukrativer als der mit Drogen – und steht mittlerweile auch im Visier der Zollbehörden. Um nicht erwischt zu werden, suchen die Dealer neue Strategien: In Großbritannien haben Kriminelle Zustelldienste unterwandert, um speziell gekennzeichnete Pakete mit Medikamenten abzufangen, die an unbeteiligte Dritte adressiert waren.

Einem Bericht des „Independent“ zufolge sind Ermittler den Kriminellen im Zusammenhang mit Unregelmäßigkeiten bei der Auslieferung von Paketen auf die Spur gekommen. Demnach waren Unterauftragnehmer von Parcelforce, der Paketsparte des Staatsbetriebs Royal Mail, in Verdacht geraten, an dem illegalen Medikamentenhandel beteiligt zu sein.

Ermittler der Zulassungsbehörde MHRA berichteten davon, dass Transporter zwar bei Lieferadressen angehalten, dort jedoch keine Paket ausgeliefert hätten. Dem Independent zufolge haben die Fahrer die Pakete mit den illegalen Medikamenten anhand von charakteristischen Merkmalen oder der Lieferadresse identifiziert und an sich genommen. Die Unterschriften der Empfänger wurden gefälscht.

Die Pakete gingen dann an Mittelsmänner, die einen ausfeilten Handel mit Medikamenten betrieben, bei dem sie Medikamente an Käufer in Europa und Nordamerika verschickten. Darunter waren Präparate gegen Haarverlust, Abtreibungsmedikamente oder Tabletten, die Viagra ähnlich sind.

Im Interview mit dem Independent berichtete Danny Lee-Frost, der die Operation bei der MHRA leitete, davon, dass Pakete an ein Cluster von Adressen verschickt wurden. Er vermutet, dass am selben Tag Pakete mit Medikamenten an etwa sechs bis sieben Adressen in derselben Straße geliefert worden seien. Von der Lieferung hätten die jeweils angegebenen Empfänger allerdings nichts gewusst. Stattdessen habe jemand auf der Straße auf die Ankunft des Paketboten gewartet und die Pakete mit den Medikamenten in Empfang genommen.

Außerdem seien Zusteller auch von Kriminellen kontaktiert und über das genaue Vorgehen instruiert worden, berichtet der Independent weiter. Dabei hätten sie eine Liste mit Namen und Adressen bekommen. Die Aufgabe der Zustellboten war es, insbesondere auf Pakete aus Indien zu achten. Anstatt diese an die Adressen auf der Liste auszuliefern, hätten sie diese beiseite schaffen und an eine Kontaktperson weiterleiten müssen. Dafür hätten die Zusteller dann Geld bekommen.

Im Rahmen der Ermittlungen wurden laut Independent bisher sechs Personen festgenommen. Zudem seien sechs Personen, die mit den Zustellboten in Kontakt standen, nach Indien wegen eines ungültigen Visums ausgewiesen worden.

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