Schweden

Hygieneskandal bei DocMorris

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Kaum gestartet, schon der erste Skandal: In einer schwedischen DocMorris-Apotheke ist es zu einem Zwischenfall bei der Bestimmung von Blutwerten gekommen. Bei einem neu ins Serviceprogramm aufgenommenen Bluttest sollen zwölf Kunden mit einer bereits benutzten Lanzette behandelt worden sein. Derzeit wird nach den Betroffenen gesucht. Zudem prüft das Gesundheitsamt, unter welchen Bedingungen Apotheken solche Dienstleistungen künftig anbieten dürfen.

Seit kurzem können Kunden in drei der knapp 60 schwedischen DocMorris-Filialen ihre Hämoglobin- und Blutglukosewerte messen lassen. Am 12. und 13. April wurde bei dem Pilotprojekt in einer Apotheke im nördlich von Stockholm gelegenen Sollentuna jedoch offenbar vergessen, nach den Untersuchungen die Lanzette zu wechseln.

Gemeinsam mit dem Konzern sucht das Gesundheitsamt nun nach den betroffenen Kunden. Sie benötigten Impfungen gegen Hepatitis B und müssten auf HIV sowie Hepatitis getestet werden, so ein Sprecher der Aufsichtsbehörde.

„Das Apothekenpersonal hat möglicherweise gleich gegen mehrere Sicherheitsvorschriften verstoßen“, so der Sprecher weiter. Man habe Juristen eingeschaltet, die nun prüfen, ob die Behörde auch für die Überwachung des Hilfspersonals zuständig sei. Außerdem müsse geklärt werden, ob die Bestimmung von Blutwerten als medizinische Leistung anzusehen sei und an bestimmte Auflagen geknüpft werden müsse. Der Sprecher sieht dringenden Nachholbedarf: Seit der Liberalisierung hätten Apothekenketten Services angeboten, für die bislang ein verbindlicher Rechtsrahmen fehle.

Auch in der Stuttgarter Konzernzentrale von DocMorris/Celesio beschäftigt man sich mit dem Vorfall: „Es handelt sich hierbei um menschliches Versagen“, sagt ein Konzernsprecher. Die schwedischen Medienberichte entsprächen allerdings nicht der Wahrheit: „Die zwölf Patienten wurden nicht mit derselben, sondern mit sechs verschiedenen Lanzetten behandelt“, so der Sprecher. Nach jedem zweiten Patienten sei die Lanzette gewechselt worden.

Der verantwortliche Apotheker habe den Vorfall allerdings selbst bemerkt und den Fall sofort der zuständigen Behörde gemeldet. „Trotz des Fehlers hat das Personal richtig und schnell gehandelt“, so der Celesio-Sprecher. Man habe inzwischen einen Amtsarzt konsultiert, der das Infektionsrisiko als minimal eingeschätzt habe. Ein betroffener Kunde habe sich bereits gemeldet, die anderen wolle man durch „Informationen in den Apotheken“ ausfindig machen. Schließlich seien Kunden, die für einen Bluttest in die Apotheke kämen, regelmäßige Besucher.

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