35 Franken für 15 Minuten

Galenica: Beratung kostet extra

, Uhr
Berlin -

Wer sich in den Apotheken des Schweizer Pharmahändlers beraten lassen will, muss dafür je nach Aufwand extra bezahlen. Der Konzern hat bereits Verträge mit Krankenversicherungen geschlossen.

In den Amavita-Apotheken werden kann man sich gegen Gebühr etwa zu den Themen Haarausfall, Schlafstörungen, erektile Dysfunktion, Heuschnupfen, Pille danach, Vaginalbeschwerden, Blasenbeschwerden, Hautbeschwerden, Zeckenentfernung, Augenreizungen, Halsschmerzen, Ohrenbeschwerden, Wundversorgung, Hämorrhoidenbeschwerden, Magen-Darm-Beschwerden oder Kurzatmigkeit bei Belastung beraten lassen. Für ein Gespräch über 15 Minuten müssen in der Regel 35 Franken bezahlt werden, bei der Notfallverhütung sind es 25 Franken. Die Kosten für das entsprechende Medikament kommen hinzu.

Außerdem kann man sich gegen Grippe, Covid-19, FSME, Hepatitis A und B, Pneumokokken, Keuchhusten, Gürtelrose und Tetanus impfen lassen. Hierfür werden 25 Franken ohne Impfstoff fällig, bei FSME liegrt der Gesamtpreis bei 70 Franken.

Schließlich werden verschiedene Gesundheitschecks angeboten: Beim Generika-Check wird zu kostengünstigen Alternativen beraten, das Ganze dauert zwischen 15 und 45 Minuten und kostet 39 Franken. Für Herz- und Diabetes-Check werden jeweils 39 Franken fällig, für den Allergie-Check sind es 49 Franken.

Das Angebot wird angenommen: Die Nachfrage nach Beratungen nahm laut Konzernangaben im vergangenen Jahr um knapp 29 Prozent zu: 368.000 kostenpflichtige Gesundheitsdienstleistungen wurden durchgeführt, darunter fast 93.000 Impfungen. Laut Galenica konnten neue Kooperationen mit KPT und Helsana abgeschlossen werden, welche diese Dienstleistungen seit 1. Januar 2026 in ausgewählten Versicherungsmodellen integriert haben.

Führende Marktposition

Zugute kommt dem Galenica seine führende Position im Gesundheitswesen. Der Konzern, der auch größter Aktionär bei Redcare ist, konnte seinen Umsatz 2025 um 5,5 Prozent auf 4,1 Milliarden Franken steigern. Sowohl das Apotheken- als auch das Großhandelsgeschäft trugen zum Wachstum bei: Während die Logistiksparte um 4,8 Prozent auf 3,3 Milliarden Franken zulegte, wuchs der Bereich „Products & Care“ um 6,8 Prozent auf 1,8 Milliarden Franken. Rund eine Milliarde Franken entfielen dabei auf Geschäfte innerhalb des Konzerns.

Das Umsatzwachstum wurde nach Konzernangaben insbesondere durch eine hohe Nachfrage nach rezeptpflichtigen Medikamenten, darunter auch GLP-1-basierten Abnehmpräparaten, sowie Nahrungsergänzungsmitteln getrieben. „Unsere breite Aufstellung und die enge Verzahnung im Netzwerk geben uns die nötige Stabilität, um weiter zu wachsen und die Gesundheitsversorgung in der Schweiz mitzugestalten“, so CEO Marc Werner.

Ausbau des Apothekennetzes

Im Großhandelsbereich wuchsen sowohl die Umsätze im Ärztesegment (plus 3,9 Prozent) als auch im Apothekenbereich (plus 5,3 Prozent); die Entwicklung lag auf Marktniveau.

Das Apothekennetz inklusive des Joint Ventures Coop Vitality wuchs um netto fünf Standorte auf 381 Filialen. Bereinigt um den Expansionseffekt von 1,6 Prozent wuchs der Umsatz in diesem Bereich organisch um 3,3 Prozent, was unter Berücksichtigung des Produktmixes leicht über dem Marktwachstum für stationäre Apotheken liegt (Rx- und OTC-Produkte: 5,3 Prozent, Rest: minus 0,8 Prozent). Sowohl die Umsätze im Online-Geschäft als auch mit Click & Collect zeigten starke Wachstumsraten.

Die Vertriebssparte Verfora konnte durch Gewinnung des OTC-Herstellers Cooper ihren Umsatz um 6,2 Prozent ausbauen und Rückgänge kompensieren. 2024 hatte es durch Sondereffekte ein starkes Wachstum sowohl bei den Abverkäufen in der Schweiz als auch im Export gegeben; 2025 gab es eine geringe Nachfrage nach Erkältungs- und Schmerzmitteln.

Einstieg ins Diagnostikgeschäft

Mit der Akquisition von Labor Team konnte Galenica im September das Portfolio um den Bereich „Diagnostics“ erweitern. Hinzugekommen ist damit ein Umsatz von knapp 41 Millionen Franken.

Der Bereich „Services & Production“ wuchs um 4 Prozent; dazu gehören die Sparten Bichsel, Lifestage und Medifilm, die in den Bereichen Sterilherstellung, Homecare, Heimbelieferung und Verblisterung aktiv sind. Der Bereich „Logistics & IT Services“ legte um 2,8 Prozent zu; die Tochterfirma HCI Solutions bietet Software zum „Clinical Decision Support“ auf der Plattform Documedis.

Guter Journalismus ist unbezahlbar.
Jetzt bei APOTHEKE ADHOC plus anmelden, für 0 Euro.
Melden Sie sich kostenfrei an und
lesen Sie weiter.
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz