USA

FDA importierte Thiopental aus Europa

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Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat das für die Todesstrafe verwendete Betäubungsmittel Thiopental offenbar schon im vergangenen Jahr aus Europa importiert. Medienberichten zufolge soll mindestens eine Lieferung des Narkotikums über Umwege aus einem österreichischen Werk des Schweizer Generikaherstellers Sandoz gekommen sein. Sechs Todeskandidaten haben indes Anklage gegen die FDA erhoben. Die Begründung: Die Exekution mit importierten Arzneimitteln sei unmenschlich.

Da Thiopental in den USA nicht mehr hergestellt wird, hatte die FDA in Europa nach Alternativen gesucht. Der österreichische TV-Sender ORF hatte berichtet, dass der britische Großhändler Archimedes im vergangenen Herbst mehr als 525 Gramm Thiopental in die USA exportiert hat - genug um 100 Menschen vor ihrer Hinrichtung zu betäuben. Die Briten sollen das Betäubungsmittel über Sandoz in Österreich bezogen haben.

Sandoz weist den Vorwurf einer Beteiligung zurück: „Sandoz produziert injizierbares Thiopental unter anderem im Auftrag einer Drittfirma, die ihren Sitz in Großbritannien hat und das Produkt wiederum direkt an Archimedes verkauft“, so das Unternehmen. Archimedes Pharma sei kein direkter Kunde von Sandoz und daher für die kommerzielle Auslieferung selbst verantwortlich. „Es ist uns nicht möglich, die Lieferketten von Firmen, die keine direkten Kunden von uns sind, zu überwachen“, erklärt Sandoz. Bei Archimedes war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.


Wegen des Imports ist in den Vereinigten Staaten unterdessen ein Rechtsstreit entbrannt. Im Auftrag von sechs Todeskandidaten hat eine US-amerikanische Großkanzlei die FDA verklagt. Die Begründung: Die FDA habe während des letzten Jahres bewusst nicht genehmigtes Thiopental für den Import zugelassen, welches in tödlichen Injektionen verwendet wurde.

Ein US-Bundesgesetz verbietet den Import von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Nur in Ausnahmefällen dürfen ausländische Händler Medikamente nach Zulassung der FDA importieren. „Egal welche Meinung man über die Todesstrafe hat, keine vernünftige Person kann Interesse an stümperhaften oder unmenschlichen Exekutionen haben“, so einer der klagenden Anwälte.

In der EU versucht man indes, die Ausfuhr von dem für Todesstrafen verwendeten Thiopental zu stoppen. Auf Hinweis mehrerer Menschenrechtsorganisationen sowie der britischen Regierung untersucht die EU-Kommission eigenen Angaben zufolge derzeit mögliche Restriktionen für den Export. Zwar gebe es bereits Ausfuhrbestimmungen für Produkte, die explizit für die Todesstrafe oder Folter gedacht sind. „Thiopental ist aber ein Anästhetikum, das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als essentielles Medikament geführt wird“, so ein Sprecher der Kommission. Der Vorrat des Arzneimittels müsse daher in allen Gesundheitssystemen der Welt gesichert werden.

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