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Briefkästen vor Apotheken sicher

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Berlin -

Im Zeitalter der digitalen Kommunikation verlieren Briefkästen an Bedeutung. Überflüssig sind sie mitnichten, historisch gewachsen sogar immer noch ein Politikum. An der Versetzung von Briefkästen im niedersächsischen Peine beteiligten sich die Post, die Stadt, eine Bürgervertretung und zwei Bundestagsabgeordnete. Jetzt stehen die Kästen jeweils vor einer Apotheke – weil es da sicherer ist.

Dreimal war der Briefkasten an seinem alten Standort an der Braunschweiger Straße in Peine zerstört worden, zweimal angegriffen, zuletzt sogar komplett gesprengt. Bei der Post geht man von Vandalismus aus. Da ein Ersatz zwischen 300 und 500 Euro kostet, verlor die Post die Lust an diesem Briefkasten und strich den Standort.

Die Gruppe „Runder Tisch Südstadt“ – ein Zusammenschluss verschiedener sozialer Einrichtungen, Schulen, Kitas und Anwohner des Viertels – kümmerte sich um die Angelegenheit. Nicht nur der Stadtrat wurde angeschrieben, sondern auch die Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises, Ingrid Pahlmann (CDU) und der Hubertus Heil (SPD), immerhin Fraktionsvize und ehemaliger Generalsekretär seiner Partei.

Und tatsächlich trafen sich alle, um einen neuen Standort für den Briefkasten zu suchen. Bei einer Begehung der Südstadt wurden zwei Stellen gefunden, an denen die Briefkästen wegen des Publikumsverkehrs sicherer vor Vandalismus seien: vor der Hirsch-Apotheke am Berliner Ring sowie vor der Südstadt-Apotheke in der Märklinstraße.

Einem Postsprecher zufolge ist die Nähe zu den Apotheken Zufall. An dem einen Standort gebe es auch einen Kreissparkasse, einen Kiosk und einen Seniorenstift in der Nähe. Dort sei ein Zentrum öffentlichen Lebens und insgesamt mehr los als vorne an der Hauptstraße. Dennoch sei die Anbindung an die Apotheken sinnvoll: „Briefkästen werden viel von älteren Menschen genutzt und die gehören auch zum Klientel der Apotheken“, so der Postsprecher.

Briefkästen zu versetzen vermeidet die Post so gut es geht, weil das immer Ärger mit den Anwohnern bringt. Auch im aktuellen Fall ist die Sache trotz der umfassenden Beteiligung vielleicht noch nicht ausgestanden: „Briefkästen anzufassen, ist immer heikel“, weiß der Sprecher. Etwa 110.000 betreibt die Post bundesweit – und anscheinend ist jeder einzelne unverzichtbar. Laut Post-Universaldienstleistungsverordnung (PUDLV) müssen Briefkästen in Deutschland so aufgestellt sein, dass Menschen in Wohngebieten nicht mehr als 1000 Meter zurücklegen müssen, um einen Brief einzuwerfen.

In den Apotheken freut man sich jedenfalls über die neue Nachbarschaft. Zum einen könne man den Kasten selbst nutzen, zum anderen brächte er vielleicht mehr Laufkundschaft, sagt Christine Büchner, Inhaberin der Hirsch-Apotheke. „Von Nachteil ist so etwas jedenfalls nicht“, so die Apothekerin.

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