Marcel William Arndt hat mit 25 Jahren seine erste eigene Apotheke im Ärztezentrum in Offenbach übernommen. Seit Februar ist er dort Inhaber – für den Apotheker rückblickend der richtige Schritt. „Ich habe mir gedacht: Wenn die Zahlen stimmen, ich Hilfe aus dem familiären Umfeld habe und die Lage gut ist – warum dann nicht jetzt gleich? Ob ich sie jetzt übernehme oder in fünf Jahren, dann lieber sofort. Von der politischen Lage her kann es nicht viel schlechter werden als jetzt“, schätzt er.
Zuerst hatte Arndt den Apothekerberuf nicht auf der Wunschliste. „Ich war eher in Richtung BWL interessiert, aber das war mir letztlich zu unsicher.“ Begünstigt durch den familiären Hintergrund – Arndts Vater führt selbst einen Verbund aus vier Apotheken – habe sich dann doch herauskristallisiert, dass er Pharmazie studieren möchte. „Ich bin da ja praktisch hineingewachsen“, sagt der 25-Jährige.
Auch die zeitige Übernahme direkt nach dem Studium war ursprünglich nicht vorgesehen. „Ich habe nicht unbedingt damit gerechnet, direkt nach dem praktischen Jahr Inhaber zu sein.“ Viele seiner Kommiliton:innen hätten einen Job in der Industrie oder eine Promotion vorgezogen. Arndt selbst habe dagegen einen Job mit Verantwortung gesucht: „Ich wollte nicht in eine Rolle rutschen, in der man zwar viel macht, aber nie komplett über den Tellerrand mit eigenen Ideen gucken darf.“
Als Apotheker im Praktikum habe er bereits Führungsrollen in einzelnen Bereichen übernommen. „Da habe ich gelernt: Ich will etwas bewegen, nicht nur verwalten.“ In den vier Apotheken seines Vaters durfte der heutige Inhaber unterschiedliche Apothekenstrukturen, Teamzusammensetzungen und Kundenbedürfnisse kennenlernen, berichtet er. „Für mich war das eine sehr lehrreiche Zeit im Hinblick auf Problemlösung und das Feingefühl dafür, wie man mit wem umgehen muss.“
Über ein Inserat wurde der damalige Pharmazeut im Praktischen Jahr (PJ) auf die Apotheke im Ärztezentrum in Offenbach aufmerksam. Das Angebot hörte sich rentabel an, erinnert er sich. „Ich habe mir gedacht: Wenn die Zahlen stimmen, ich Hilfe aus dem familiären Umfeld habe und die Lage gut ist – warum dann nicht jetzt gleich? Ob ich sie jetzt übernehme oder in fünf Jahren, dann lieber sofort. Von der politischen Lage her kann es nicht viel schlechter werden als jetzt“, schätzt er.
Eigentlich sei die Übernahme schon zum Jahreswechsel geplant gewesen. „Meine Approbationsurkunde kam aber erst Ende Januar, deshalb mussten wir den Termin verschieben“, berichtet Arndt. Dabei habe er versucht, den ursprünglichen Termin einzuhalten. „Ich habe immer wieder bei der Behörde angerufen, wurde aber immer wieder vertröstet. Das war frustrierend.“
Dennoch lief die Übernahme letztlich reibungslos. Auch Arndts Vorgängerin sei weiterhin Ansprechpartnerin. „Es kommen auch nach Monaten noch Briefe – da ist es wertvoll, eine feste Kontaktperson zu haben“, betont der Apotheker. Die angespannte politische Lage sei dem 25-Jährigen durchaus bewusst. „Eine Apotheke jetzt zu übernehmen, ist ein Wagnis. Die Rahmenbedingungen sind nicht perfekt, aber die Infrastruktur ist da.“
Im Ärztezentrum gebe es zehn Praxen, mit denen er jeweils in Kontakt getreten sei und Änderungsbereitschaft signalisiert habe. „Zu Coronazeiten ist eine Mittagspause eingeführt worden. Mir ist aufgefallen, dass Patienten von den Praxen vor der Tür standen und darauf gewartet haben, das wir wieder öffnen. Das erschien mir suboptimal, also habe ich sie wieder gestrichen.“ Auch mit einer Hautarztpraxis habe er sich ausgetauscht, um das Kosmetikangebot auszubauen.
Als neuer Inhaber möchte Arndt Kundenorientierung und pharmazeutische Dienstleistungen in den Fokus rücken. „Vor allem die persönliche Beratung vor Ort ist wichtig. Das kann kein Versender leisten“, betont der Apotheker.
Dass die Übernahme so gut geklappt habe, verdanke er maßgeblich seinen Angestellten. „Ich habe zum Glück ein tolles Team, das mich sehr gut aufgenommen hat. Vor allem deshalb fiel mir der Einstieg überhaupt nicht schwer.“ In alle Änderungsideen binde er seine Mitarbeitenden mit ein. „Ich wollte zum Beispiel neue Vitrinen für die Sichtwahl kaufen. Dazu befrage ich mein Team – ich entscheide nichts ohne Rücksprache.“
Auch Arndts Familie stehe für Nachfragen zur Verfügung. „Wenn ich Tipps brauche, kann ich mich auf sie verlassen und fühle mich sehr gut aufgehoben“, betont der 25-Jährige.
Knapp zwei Monate nach der Übernahme sagt er: „Ich bin sehr zufrieden und stehe zu meiner Entscheidung – es war der richtige Schritt, in die Selbstständigkeit zu gehen.“ Diese Haltung trage er auch in seinen Bekanntenkreis. „Ich versuche auch meine ehemaligen Kommilitonen für die Apotheke zu begeistern.“ Einige würden bereits mit den Gedanken spielen, sagt er.
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