Integration mit Hindernissen

Gedisa-KIM-Adresse: Softwarehäuser stellen sich quer

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Berlin -

Apotheker Askan Fahr-Becker ist sauer: Seine Tochter hat für ihre Fuldaer Bahnhof-Apotheke bei der Gedisa eine KIM-Adresse bestellt, die nun in die Software integriert werden muss. Doch sein Softwarehaus stellt sich quer – und dem Vernehmen nach scheint das mehreren Apotheker:innen mit ihren bei der Gedisa bestellten KIM-Adressen so zu gehen.

Seit Oktober konnten Apotheken eine oder mehrere individuelle KIM-Adresse bei der Digitaltochter der Landesapothekerverbände reservieren und zu Anfang dieses Jahres kostenfrei bestellen – in Kombination mit einem dreijährigen Vertragsabschluss. Auch die Installation durch einen Techniker ist inklusive. Als Sarah Fahr-Becker die KIM-Adresse nun aber in ihre Software einbinden lassen wollte, scheiterte der Gedisa-Techniker. Dazu würden Daten von Pharmatechnik benötigt. „Aber Pharmatechnik gibt diese nicht raus“, so der Vater der Inhaberin.

Dem Vernehmen nach stehen die beiden damit nicht alleine da, auch andere Software-Häuser sträubten sich zur Kooperation bezüglich bei der Gedisa bestellten KIM-Adressen. Der frühere Inhaber der Bahnhof-Apotheke meint, dahinter ein System zu erkennen: Die Softwarehäuser versuchten so zu verhindern, dass Apotheker:innen ihre KIM-Adresse bei der Gedisa bestellen. Schließlich bieten die Häuser auch eigene Lösungen an.

Trotzdem sei es nicht rechtens, dass die IT-Anbieter sich hier quer stellen, findet Fahr-Becker, der in der Apotheke seiner Tochter arbeitet. Statt vereinfachender Digitalisierung sei auch hier wieder Mehrarbeit das Resultat: „Wir haben genug Arbeit. Das ist eine Riesensauerei!“

Tatsächlich kann die Gedisa Diskrepanzen mit den Softwarehäusern bestätigen: „Trotz des grundsätzlichen Bekenntnisses zur Zusammenarbeit kommt es leider immer wieder zu Problemen bei der Integration“, heißt es. Die Gedisa stehe zwar „in einem engen und partnerschaftlichen Austausch mit vielen Softwarehäusern“, die die Schnittstellen für die Integration zur Verfügung stellen, doch das läuft leider nicht immer reibungslos. „In diesen Fällen können sich die Apothekeninhaberinnen beziehungsweise -inhaber vertrauensvoll an die Gedisa wenden. Gemeinsam werden wir eine Lösung finden“, betont der Dienstleister.

Installation dauert im Normalfall 30 Minuten

Ab 1. April ist die Anbindung an KIM – Kommunikation im Medizinwesen – verpflichtend. Wer dies nicht beachtet, muss mit Konsequenzen rechnen. Als Anwendung der TI soll KIM nach und nach das Fax ersetzen. Eine KIM-Nachricht gleicht dem Versenden einer E-Mail. Die Nachrichten sind jedoch verschlüsselt und signiert. Öffnen Empfänger:innen die Mitteilung, wird diese entschlüsselt und kann bearbeitet werden.

In einem bundeseinheitlichen Adressbuch sollen alle registrierten und geprüften KIM-Adressen aufgeführt sein. Der Weg kann zur Übermittlung von Dokumenten mit sensiblen Patientendaten genutzt werden. KIM kann mit Standard-Mailprogrammen wie Outlook oder Thunderbird verknüpft und verwendet werden. Außerdem ist eine Einbindung in die Warenwirtschaft möglich.

Die Zahl der bei der Gedisa bestellten Adressen hat sich seit Mitte Januar noch einmal deutlich erhöht. „Derzeit werden die etwa 4500 KIM-Bestellungen der Apotheken durch die Gedisa und unseren Servicepartner Akquinet planmäßig bearbeitet und installiert.“ Bei guter Vorbereitung in den Apotheken sei die vollständige Einrichtung innerhalb von 30 Minuten erledigt.

„In Einzelfällen kann es aber passieren, dass die geplante Zeit zu knapp bemessen ist. Auch die Unwägbarkeiten des apothekerlichen Alltags führen manchmal dazu, dass die geplante Zeit nicht vollständig genutzt werden kann.“ Dass dann die Installation auch mal unterbrochen werden muss, um sie an einem späteren Termin fortzusetzen, ist ein Problem, dem sich die Gedisa bewusst ist. Man arbeite daran, „die Installationen durch noch bessere Informationen und Prozesse zu optimieren“, heißt es weiter.

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