„Mit neuer Regelung unglücklich“

Botendienst im Apotheken-Notdienst

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Berlin -

In Brandenburg gilt eine neue Notdienstregelung – und nicht alle Inhaberinnen und Inhaber sind damit zufrieden. Die Wege würden für Patientinnen und Patienten noch weiter, sagt Christian Richter von der Stadt Apotheke in Bad Wilsnack. Dazu komme, dass die „Entlastung“ kein gutes Argument für die stationäre Apotheke mitten in der Honorarverhandlung sei.

Seit fast 30 Jahren führt Richter seine Apotheke in der Prignitz in Brandenburg. Die Region gehört zu den dünnbesiedelsten Flächen Deutschlands – nur 33 Einwohner leben hier pro Quadratkilometer. In München sind es dagegen fast 4900. Das spürt auch der Apotheker: „Die Strecken zur nächsten Notdienstapotheke sind für die Menschen hier manchmal bis zu 45 Kilometer weit. Da können sie es eigentlich schon vergessen.“

Großes Einzugsgebiet im Notdienst

Wenn Richter mit Notdienst eingeteilt ist, reicht sein Einzugsgebiet mitunter bis nach Sachsen-Anhalt. „Die sind mit der neuen Regelung in Brandenburg überhaupt nicht glücklich. Der Notdienst dort musste sich daraufhin auch neu organisieren.“

In seinem jüngsten Nachtdienst habe ein Mann aus Berlin für seine über 80 Jahre alte Mutter aus Sachsen-Anhalt nach einem verschreibungspflichtigen Produkt gefragt. „Ich hatte es da, aber ich konnte es ihr nicht liefern“, sagt der 54-Jährige. Die Einzugsbereiche nochmals zu erweitern, sei nicht so gut. Die Menschen müssten bereits vom Land in die nächsten Kreisstädte in die Notaufnahme und dann noch in die notdiensthabende Apotheke. „Sie sind manchmal eine Stunde oder länger unterwegs.“

Im konkreten Fall sei der Sohn am folgenden Tag morgens aus Berlin angereist und habe das Arzneimittel abgeholt und seiner Mutter gebracht. Oft bietet Richter in solchen Fällen auch einen Botendienst an, wenn sein Fahrer verfügbar ist. Die Nachfrage nach einem Lieferservice für Medikamente in Notfällen sei vorhanden. „Der Fahrer ist aber nicht regulär im Dienst.“ Nachts biete er den Service nicht an, nur wenn er seinen Angestellten erreichen könne. Die Honorierung des Notdiensts sei unter der Woche in Ordnung, wenn er ihn als Inhaber selbst leiste. Am Wochenende bei einem 24-Stundendienst sei es ein Zuschussgeschäft. „Ich verkaufe hier keine großen gewinnstarken Präparate.“

Beratung von Anrufern

Dazu komme die steigende Beratung per Telefon. „Man wird immer häufiger angerufen, auch weil die Strecken so weit sind.“ Die meisten Anruferinnen und Anrufer erkundigten sich, wie sie sich selbst helfen könnten – etwa mit Mitteln aus der Hausapotheke. „Das macht mittlerweile etwa die Hälfte der Anrufer aus.“ Natürlich bekämen sie einen pharmazeutischen Rat, dafür sei die Vor-Ort-Apotheke da. „Aber es entsteht dabei nichts Abrechenbares.“

Auch wegen der aktuellen politischen Forderung der Apotheken nach mehr Honorar sei die Ausweitung der Notdienstbezirke unglücklich, sagt der Apotheker. Denn dadurch zeige man der Politik, dass es auch so – ohne Apotheken – funktioniere. Besser wäre es aus seiner Sicht gewesen, man hätte in Brandenburg mit der Reform ein Jahr gewartet.

Der Notdienst ist für Notfälle da – wie macht man das den Patient:innen deutlich? Unseren Download zum Notdienst können Sie gern ausdrucken und an Ihre Kund:innen ausgeben, damit diese über alle wichtigen Infos zum Notdienst verfügen.

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