Trinknahrung – wann zahlt die Krankenkasse

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Berlin - Als Trinknahrung werden Getränke bezeichnet, die eine Mahlzeit vollständig ersetzen. Trinknahrung wird von vielen Patienten häufig als Astronautenkost bezeichnet. Wenn eine Person innerhalb kurzer Zeit viel Gewicht verliert, so kann die Gabe von diesen Produkten sinnvoll sein. Wer ungewollt 5 Prozent seines Körpergewichtes verliert, der sollte den Gewichtsverlust ärztlich abklären und eine Nahrungsergänzung in Betracht ziehen. Die einzelnen Produkte unterscheiden sich nicht nur im Geschmack – auch die Nährstoffzusammensetzung ist unterschiedlich. Was kann empfohlen werden? Wann zahlt die Krankenkasse das Produkt? Ein kurzer Überblick.

Trinknahrung, Astronautennahrung, Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke oder auch bilanzierte Diäten genannt – eines haben die Produkte gemein: Sie können eine komplette Mahlzeit ersetzen. Mittlerweile ist das Angebot groß und es gibt neben den klassischen Trinkfläschen auch Pudding oder Milchspeisen. Die Abwechslung soll die Compliance der Patienten erhöhen, die sich anfänglich meist schwertun, den Nahrungsersatz zu akzeptieren.

Trinknahrung – das Rezept

Trinknahrung ist kein Hilfsmittel. Nach aktuell geltender AM-RL wird es wie ein Arzneimittel verordnet. Auf dem Rezept wird keine Indikation vermerkt, die Apotheke muss die Diagnose nicht überprüfen. Kennen Apotheker und PTA jedoch die Diagnose, so können sie eine umfassendere Beratung leisten. Die Dosierung wird vom Arzt meist in Kalorien angegeben und kann vom pharmazeutischen Personal in Trinkfläschchen umgerechnet werden. Verordnungsfähig sind Produkte mit einem Mindestgehalt von 1 kcal pro ml. Da Nahrungsrezepte wie Arzneimittelrezepte zu handhaben sind, sind die Präparate nicht genehmigungspflichtig. In Einzelfällen kann es bei einigen Krankenkassen zu Abweichungen kommen. Eine Krankenkasse kann eine Verordnung von enteraler Ernährung jedoch nicht einfach ablehnen. Dies kann nur auf Basis einer MDK-Prüfung (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) schriftlich erfolgen.

Übernahme durch die Krankenkasse

Die Arzneimittel-Richtlinie (AM-RL) regelt den Umfang des Anspruches auf Trinknahrung, sowie die Voraussetzungen für die Verordnung und die Art der verordnungsfähigen Produkte. Denn an sich sind Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Krankenkost und diätetische Lebensmittel nicht Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung und deshalb von der Versorgung ausgeschlossen. Die Rechtsgrundlage für die ausnahmsweise Verordnungsfähigkeit von Produkten zur enteralen Ernährung liegt § 31 Abs.1 Satz 2 SGB V zugrunde. In den Richtlinien werden die verordnungsfähigen Produkte definiert und allgemeine Indikationen, bei denen die enterale Ernährung generell verordnungsfähig ist.

Häufige Indikationen für Trinknahrung mit Kostenübernahme durch die Krankenkasse:

  • Morbus Crohn
  • Colitis ulcerosa
  • Kurzdarmsyndrom
  • Tumorkachexie
  • Anorexia nervosa
  • Mangelernährung
  • Geriatrie
  • Fortgeschrittene dementielle Syndrome
  • Prävention und Behandlung von Dekubitalulzera
  • Kardiale Kachexie
  • Pulmonale Kachexie (mit Ausnahme der cystischen Fibrose)
  • Radio- und/oder Chemotherapie bei onkologischen Erkrankungen
  • Stenosierende oropharyngeale und obere gastrointestinale Tumore
  • Tracheo-ösophageale Fisteln
  • Gesichts- und Kiefer-Traumata
  • Dialysepflichtige Niereninsuffizienz
  • AIDS-assoziierter Gewichtsverlust
  • Präfinale Krankheitsstadien
  • Lebererkrankungen
  • Diabetes mellitus (nur spezielle Produkte)
  • Schluckstörungen infolge neurologischer Erkrankungen
  • Gedeihstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern
  • Phenylketonurie und weitere Defekte im Aminosäurestoffwechsel

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