Verschreibungspflicht

Der Blutdrucksenker vom Zahnarzt APOTHEKE ADHOC, 04.04.2019 14:20 Uhr

Berlin - Dürfen Zahnärzte den Blutdrucksenker, hormonelle Kontrazeptiva, Antidiabetika oder das Antibiotikum gegen die Blasenentzündung verordnen? In der Apotheke gibt es darüber immer wieder Diskussionen – egal ob die Dentisten, die Arzneimittel für den Eigenbedarf verlangen oder zu Lasten der Kasse rezeptieren. Handelt es sich um eine nicht ordnungsgemäß ausgestellte Verordnung, riskiert die Apotheke streng genommen gar einen Regress.

Die Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) unterscheidet in puncto Verschreibungspflicht nicht zwischen Zahnarzt und Humanmediziner. Einzig die Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV) schränkt die Dentisten ein – und ihre Approbation selbst. Das Gesetz über die Ausübung der Zahnheilkunde definiert in § 1 Absatz 3 diese als „die berufsmäßige auf zahnärztlich und wissenschaftliche Erkenntnisse gegründete Feststellung und Behandlung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten“.

Die Musterberufsordnung der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) untermauert im ersten Abschnitt (Allgemeine Grundsätze § 1 Geltungsbereich das ZHG): „Unter zahnärztlicher Berufsausübung ist jede Tätigkeit zu verstehen, bei der zahnärztliche Fachkenntnisse eingesetzt oder mit verwendet werden können.“ Einbezogen seien sowohl kurative als auch nicht kurative Tätigkeiten. Demnach sind Dentisten im Rahmen ihrer Approbation auf die Verordnung von Arzneimitteln im Bereich der Dentalheilunde beschränkt. Dazu zählen beispielsweise Analgetika, Antibiotika, Sedative und Rachentherapeutika unter der Voraussetzung, dass die Verordnung der Erkennung oder Heilung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten dient.

Welche Arzneimittel üblicherweise in den Zuständigkeitsbereich des Zahnarztes fallen, ist auch den Informationen zahnärztlicher Arzneimittel (IZA) der BZÄK zu entnehmen. Zu finden sind hier beispielsweise Arzneimittel, die zur Behandlung von Entzündungen, Infektionen, Schmerz- und Erregungszuständen oder in Notfällen zum Einsatz kommen. Selbst hier zeigt die IZA den Dentisten die Grenzen auf. Als Beispiel kann die Behandlung von Entzündungen in der Mundhöhle genannt werden. Hier könnten zum Beispiel lokal anzuwendende Glucocorticoide in Form von Pasten, Salben oder Pastillen verordnet werden. Die systemische Gabe komme jedoch nicht in Frage: „Die systemische Gabe von Glucocorticoiden zur Behandlung akuter oder chronisch-entzündlich Erkrankungen gehört wegen des sehr hohen therapeutischen Risikos nicht zum Aufgabengebiet des Zahnarztes.“

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