Beratungstipps

8-Grad-Phänomen: Schrunden im Winter

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Berlin -

Schmerzhafte Hautrisse im Winter, sogenannte Rhagaden oder Schrunden, entstehen vor allem durch das Sinken der Außentemperatur unter 8 Grad. Ab dieser Kältegrenze stellen die Talgdrüsen ihre Fettproduktion ein, wodurch die Haut ihre Dehnbarkeit verliert und bei Belastung schmerzhaft aufreißt. Was aber können Apothekenteams in dieser Situation konkret empfehlen, um die Heilung zu beschleunigen und die Hautbarriere nachhaltig zu stärken?

Als Rhagaden oder Schrunden werden schmale Einrisse an den Fingern, Fersen oder Mundwinkeln beschrieben, die durch die oberste Hautschicht bis in die darunterliegende Lederhaut reichen. Da in dieser tieferen Schicht sowohl Blutgefäße als auch Nerven verlaufen, sind diese Risse oft sehr schmerzhaft und bluten leicht.

Sie entstehen immer dann, wenn die Haut ihre natürliche Elastizität verliert. Ist das Gewebe zu trocken oder durch dicke Hornhaut zu starr, kann es mechanischen Belastungen wie dem Auftreten mit der Ferse, dem Greifen mit den Fingern oder dem Öffnen des Mundes nicht mehr elastisch nachgeben. In der Folge bricht die Haut wie sprödes Leder schmerzhaft auf.

Das 8-Grad-Phänomen

Die Häufung dieser Beschwerden im Winter ist durch das sogenannte 8-Grad-Phänomen erklären. Sobald die Außentemperatur unter diesen Schwellenwert sinkt, stellen die Talgdrüsen in der Haut ihre Produktion nahezu vollständig ein.

Außerdem wird der körpereigene Talg bei Kälte zudem zäher und kann sich nicht mehr als schützender Film über die Hautoberfläche verteilen. Ohne diesen Fettmantel verdunstet die Feuchtigkeit aus der Haut deutlich schneller nach außen.

Pharmazeutische Beratung

Apothekenteams können hier einen strategischen Wechsel der Hautpflege empfehlen. Bei Temperaturen unter der 8-Grad-Grenze reicht eine normale Feuchtigkeitscreme meist nicht mehr aus. Hilfreich kann hier der Umstieg von Öl-in-Wasser-Emulsionen auf fettreiche Wasser-in-Öl-Emulsionen sein. Eine wasserbasierte Creme würde im Winter auf der Hautoberfläche verdunsten und durch die entstehende Kälte die Durchblutung der Haut zusätzlich verschlechtern.

Eine fetthaltige Salbe hingegen bildet eine künstliche Schutzschicht, die den fehlenden Talg ersetzt. Dieser Film schließt die Feuchtigkeit in der Haut ein, wodurch die spröden Hornzellen aufquellen und das Gewebe wieder elastisch und belastbar wird.

Wichtig für die Abgrenzung: Treten Rhagaden primär an den Mundwinkeln auf oder heilen Risse an Händen und Füßen trotz optimaler Fettpflege nicht ab, sollte an systemische Ursachen gedacht werden. Ein Mangel an bestimmten Mineralstoffen und Vitaminen schwächt die Hautstruktur von innen und macht sie anfälliger für die oben beschriebenen physikalischen Belastungen.

Über die Pflege hinaus: Systemische Ursachen beachten

Konkret kann ein Mangel an Eisen, Zink oder Vitamin B2 kann die Regenerationskraft der Haut von innen heraus schwächen, sodass sie selbst bei geringer Belastung aufreißt. In solchen Fällen ist eine kurmäßige Supplementierung nach ärztlicher Beratung oder einem Labortest ratsam.

Übrigens: Lippen besitzen im Lippenrot keine Talgdrüsen. Das macht sie im Vergleich zu anderen Hautpartien anfälliger für Trockenheit. Es existieren jedoch freie Talgdrüsen, – die sogenannten Fordyce-Drüsen – die am Übergang zur Schleimhaut oder als kleine weiße/gelbliche Punkte auf den Lippen auftreten können.

Da gleichzeitig die Heizungsluft in den Innenräumen extrem trocken ist, wird der Haut von zwei Seiten Feuchtigkeit entzogen.

Die gezielte Behandlung

Die Behandlung einer bereits bestehenden Rhagade folgt einem dreistufigen Prinzip aus Aufweichen, Heilen und Schützen:

  • Keratolyse (Aufweichen): Einsatz von Präparaten mit 15 bis 25 Prozent Urea. Diese hohe Konzentration weicht verhärtete Ränder auf und nimmt die mechanische Spannung vom Gewebe.
  • Regeneration (Heilen): Anwendung von Wirkstoffen wie Dexpanthenol, die die Neubildung von Hautzellen fördern. Bei Mundwinkelrhagaden können zudem zinkhaltige Pasten helfen, das Areal trockenzulegen und die Heilung zu beschleunigen.
  • Mechanischer Schutz (Fixieren): Spezielle Fingerkuppen-Pflaster für die Hände oder Hydrokolloid-Pflaster bei besonders tiefen Schrunden an den Fersen, um ein regenerationsförderndes Klima zu schaffen.
  • Versiegelung (Schützen): Flüssigpflaster oder medizinischer Hautkleber für schwer pflasterbare Stellen, um den Riss sofort vor externen Reizen und Keimen zu schützen.
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