Vor allem Frauen betroffen

Psoriasis: Erhöhtes Risiko für MS-Patienten

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Berlin -

In einer australischen Untersuchung mit Multiple-Sklerose-Patient:innen trat Schuppenflechte deutlich häufiger auf als im Bevölkerungsdurchschnitt. Das Risiko für diese zusätzliche Hauterkrankung vervierfachte sich in der Studiengruppe, wenn Schuppenflechte bereits bei nahen Verwandten vorkam. Bei den untersuchten Frauen mit so einer familiären Vorbelastung war sogar jede Dritte betroffen.

Die Erforschung von Begleiterkrankungen bei Multipler Sklerose hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, da diese die Lebensqualität und therapeutische Entscheidungen beeinflussen. Dazu zählt auch die Psoriasis, da beide Krankheitsbilder als chronische immunvermittelte Entzündungsprozesse gelten. In einer aktuellen naustralischen Studie haben Forschende daher untersucht, ob Multiple Sklerose und Psoriasis biologisch über ähnliche Entzündungswege miteinander verknüpft sind.

Da beide Krankheiten oft innerhalb derselben Familien auftreten, vermutet die Forschung eine starke genetische Verbindung. Die australischen Wissenschaftler:innen untersuchten deshalb, wie häufig Schuppenflechte bei MS-Patienten und ihren direkten Verwandten vorkommt. Dabei wurde geprüft, ob eine familiäre Vorbelastung das Risiko für MS-Betroffene tatsächlich erhöht, selbst an beiden Erkrankungen zu leiden.

Stark erhöhtes Risiko für MS-Patient:innen

Der Studienaufbau wurde als Querschnittsuntersuchung realisiert, wobei Daten von 204 Teilnehmende mit einem Durchschnittsalter von 48,8 Jahren erhoben wurden. Die Kohorte setzte sich zu 67,2 Prozent aus Frauen und zu 32,8 Prozent aus Männern zusammen.

Das Ergebnis: Während im allgemeinen australischen Bevölkerungsdurchschnitt nur bei etwa 2,4 Prozent der Menschen Schuppenflechte diagnostiziert ist, wiesen im Studienkontext 13,7 Prozent der untersuchten MS-Patienten eine ärztliche Diagnose auf. Damit war das Risiko in der MS-Gruppe fast sechsmal so hoch wie in der restlichen Bevölkerung.

Ein entscheidendes Resultat ist laut Forschender die Rolle der Familie: Wer nahe Verwandte mit Schuppenflechte hat, trägt ein 4,15-fach höheres Risiko, selbst zu erkranken. Besonders betroffen sind dabei Frauen mit familiärer Vorbelastung. Bei ihnen liegt das Risiko bei 34,6 Prozent, während es bei Männern nur 22,2 Prozent beträgt.

Hohe Symptomlast und mangelnde Versorgung

Über die reine Diagnose hinaus berichteten die Proband:innen von deutlichen Beschwerden. 38,6 Prozent litten unter Juckreiz, 20,6 Prozent unter Schuppungen an Kopf oder Ohren sowie 39,2 Prozent unter saisonalen Hautveränderungen. Zudem wurden bei 14,2 Prozent Nagelveränderungen festgestellt, während 32,1 Prozent der Betroffenen zusätzlich an einem Ekzem litten.

Trotz dieser Belastung konnte im Studienkontext laut der Wissenschaftler:innen eine Versorgungslücke aufgedeckt werden: Nur 35,7 Prozent der Patient:innen mit Schuppenflechte-Diagnose befanden sich in aktiver hautärztlicher Behandlung. Zudem berichteten 38 Prozent derjenigen mit familiärer Vorbelastung, aber ohne offizielle Diagnose, über neue Hautveränderungen seit ihrem MS-Beginn.

Vorteile durch gezielte Medikamentenwahl

Die Autor:innen der Untersuchung betonen die klinische Relevanz für die Therapiewahl: Da MS-Medikamente wie Dimethylfumarat oder Teriflunomid auch positive Effekte auf Schuppenflechte haben, bietet die Identifikation beider Leiden die Chance auf kombinierte Behandlungsstrategien. Die Wissenschaftler:innen empfehlen Neurologen daher dringend, MS-Patienten – insbesondere Frauen mit familiärer Vorbelastung – systematisch auf Hautveränderungen zu untersuchen.

Die Studie mit dem Titel „Familial frequency of psoriasis in patients with multiple sclerosis“ wurde in der Fachzeitschrift Frontiers in Neurology veröffentlicht. Die Untersuchung wurde in Australien durchgeführt und nutzte Daten der Australian MS Longitudinal Study sowie Befragungen einer Spezialklinik in Nord Sydney.

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