Schnell ist es passiert: Wiederholter Nasenspraygebrauch über die Erkältung hinaus kann unbewusst in Abusus übergehen. Daraus entsteht in der Folge die Rhinitis medicamentosa, eine hartnäckige Schleimhautentzündung mit persistierender Verstopfung. Apothekenteams können gezielt dazu beraten und Kund:innen helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Hinter der verstopften Nase stecken meist virale Infektionen, sogenannte milde obere Atemwegsinfektionen (MURTI), die eine akute Entzündung der nasalen Schleimhaut auslösen. Die Immunreaktion verursacht Gefäßweitstellung, erhöhte Durchlässigkeit, Wassereinlagerungen und erhöhte Schleimproduktion, wodurch die Nasenschleimhaut anschwillt, und der Luftstrom behindert wird. Bis zu sieben Tage kann diese Obstruktion dominieren. Blockierte Nebenhöhlen fördern Krankheitserreger, die mukoziliäre Clearance wird gehemmt, und der Schlaf leidet, was kognitive Einschränkung und schlechte Stimmung nach sich zieht.
Die Symptomlinderung erfolgt vor allem durch Abschwellung der Schleimhäute. Lokal wirksame Nasensprays wie Xylometazolin oder Oxymetazolin wirken effektiver als systemische Mittel. Orale Substanzen wie Pseudoephedrin oder Phenylephrin setzen langsamer ein, zeigen geringere Wirksamkeit und bergen das Risiko systemischer Nebenwirkungen, insbesondere bei Patient:innen mit Grunderkrankungen.
Imidazoline wirken als Alpha-Rezeptor-Agonisten, verengen Gefäße und reduzieren Schleimhautschwellung. Bei wiederholter Anwendung über den empfohlenen Zeitraum hinaus kann sich allerdings ein Abusus einschleichen. Sobald die Wirkung des Sprays nachlässt, erhöhen Patient:innen unbewusst die Dosis oder Häufigkeit, um die Abschwellung weiterhin zu erzielen.
Über einen längeren Zeitraum entsteht dann die Rhinitis medicamentosa, eine nichtallergische Entzündung mit persistierender Nasenverstopfung. Durch den sogenannten Rebound-Effekt schwillt die Schleimhaut immer stärker an, was den Gebrauch des Sprays immer dringlicher für Betroffene macht.
Dieser Effekt ist eine physiologische Gegenreaktion des Körpers auf die künstliche Gefäßverengung durch das Medikament. Sobald die Wirkung des Sprays nachlässt, weiten sich die Blutgefäße massiv über ihr normales Maß hinaus aus. Diese reaktive Überdurchblutung findet statt, weil der Körper versucht, die vorherige künstliche Minderdurchblutung des Gewebes auszugleichen. Da sich die Rezeptoren zudem an den Wirkstoff gewöhnen, schwillt die Nase nach jeder Anwendung noch massiver an als zuvor.
Dies führt zu einer dauerhaft verstopften Nase und einem Teufelskreis aus erneuter Anwendung und Schwellung. Die Nasenschleimhaut trocknet zunehmend aus, wird anfälliger für Blutungen und verliert sukzessive ihre Reinigungsfunktion.
Im fortgeschrittenen Stadium kann sich die Schleimhaut extrem zurückbilden, was mit Borkenbildung und unangenehmem Geruch einhergehen kann. Außerdem steigt das Risiko für Sinusitis, Nasenpolypen und Mittelohrentzündungen. Auch eine dauerhafte Vergrößerung der Nasenmuscheln kann auftreten, die in schweren Fällen operativ behandelt werden muss. Bei Entzug oder starkem Übergebrauch können Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Unruhe und Angstzustände auftreten.
Apothekenteams können Patient:innen aktiv unterstützen, indem sie die Risiken wiederholter Anwendung erläutern, die maximale Anwendungsdauer erklären und über Rebound-Effekte aufklären. Steckt die Patientin oder der Patient schon in der Sucht, kann ein abgestufter Plan zum schrittweisen Absetzen erstellt und Empfehlungen zum erfolgreichen Absetzen des Sprays ausgesprochen werden:
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