Fehlzeiten

Zwischen Blaumachen und Präsentismus

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Berlin -

Etwa jeder Siebzehnte hat laut einer Umfrage in letzter Zeit auf der Arbeit mal krankgemacht. Das Institut YouGov fragte Menschen, was sie in den vergangenen zwölf Monaten getan haben, um nicht zum Job gehen zu müssen. 6 Prozent gaben an, sie hätten gesagt, sie seien krank, obwohl sie gesund waren.

Ebenfalls 6 Prozent gaben an, sie hätten eine Krankheit schlimmer dargestellt als sie in Wahrheit war. 4 Prozent fanden eine andere Entschuldigung, wie aus der Umfrage von YouGov hervorgeht. 58 Prozent antworteten, nichts davon gemacht zu haben. Die Umfrage ist nach Angaben des Marktforschungsunternehmens repräsentativ für die deutsche Bevölkerung.

Nach Ansicht des Arbeitspsychologen Professor Dr. Conny Antoni von der Universität Trier gehen mehr Menschen krank ins Büro als dass sie blaumachen. Es gebe sicherlich Leute, die auch mal krankmachten, sagte Antoni von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs).

Umfragen deuteten aber darauf hin, dass es verbreiteter sei, trotz Unwohlseins arbeiten zu gehen. Der Fachbegriff sei Präsentismus. „Man ist anwesend, geht zur Arbeit, obwohl man sich krank fühlt“, erklärte Antoni. Untersuchungen zu dem Thema seien in den vergangenen Jahren stärker in den Fokus gerückt.

In einer Untersuchung von 2012, dem sogenannten Stressreport, hätten 36 Prozent angegeben, sie seien im zurückliegenden Jahr zur Arbeit gegangen, obwohl sie krank gewesen seien. Daten auf europäischer Ebene hätten ähnliche Werte ergeben, sagte Antoni. Auch eine Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK hatte das Phänomen untersucht. Demnach kuriert sich vor allem die durch Karriere und Familie belastete „Rushhour“-Generation zwischen 30 und 40 Jahren nicht aus.

Ob man trotz Krankheit im Büro erscheine, liege auch daran, ob man um seinen Arbeitsplatz fürchte. Menschen gingen eher krank ins Büro, wenn sich die wirtschaftliche Situation des Unternehmens verschlechtere, oder wenn sie ihr Verhältnis zum Chef und zum Team noch nicht sicher einschätzen könnten.

PTA sind mit 8,9 Fehltagen übrigens deutlich seltener krank als der Bundesdurchschnitt: Insgesamt ist der Krankenstand bei den elf Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmern im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr mit einem Anstieg von 0,1 Prozentpunkt fast gleich geblieben und liegt bei 5,2 Prozent. Damit hat jeder Beschäftigte im Durchschnitt 18,9 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Betrieb gefehlt.

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