Internethandel

Versandapotheken gegen Initiative

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Der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Versandapotheken (BVDVA), Johannes Mönter, hat die geplante Gesetzesinitiative des Landes Nordrhein-Westfalen zum Verbot rezeptpflichtiger Arzneimittel über Versandapotheken als "anachronistisch und patientenfeindlich" kritisiert. Während die EU-Kommission internationale Qualitätsstandards für europäische Versandapotheken auf den Weg bringe, die die deutschen zugelassenen Versandapotheken von jeher erfüllten, ruderten einzelne Politiker in Deutschland zurück, so Mönter.

Nach Meinung des BVDVA-Chefs, der mit Sanicare eine der größten Versandapotheken in Deutschland betreibt, wird die Initiative des nordrhein-westfälischen Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) scheitern. Der Verband habe bereits zu Anfang dieses Jahres mit verantwortlichen Gesundheitspolitikern in ganz Deutschland korrespondiert und festgestellt, dass das Land Nordrhein-Westfalen mit seiner Position einsam dasteht. "Offensichtlich hat die rückwärtsgerichtete und auf Besitzstandswahrung ausgerichtete Lobbyarbeit der Apotheker-Standesvertretung nur noch wenige Politiker erreichen können", so Mönter.

In Wirklichkeit hatte sich auch die bayerische Sozialministerin Christa Stewens (CSU) vor einigen Wochen gegenüber der Süddeutschen Zeitung (SZ) für die Initiative ausgesprochen. Selbst der saarländische Gesundheitsminister Josef Hecken (CDU), der vor einem Jahr den Betrieb einer Apotheke in Saarbrücken durch die heute zum Celesio-Konzern gehördende Kapitalgesellschaft DocMorris genehmigt hatte, will gegen "Auswüchse des Versandhandels" wie die Rezeptsammlung bei der Drogeriekette "dm" vorgehen. Dass der Antrag Laumanns bislang noch nicht in den Bundesrat eingebracht wurde, liegt der SZ zufolge an der Blockadehaltung der in Nordrhein-Westfalen mitregierenden FDP.

Das Argument, das ein Versandhandelsverbot das Risiko für Arzneimittelfälschungen minimieren könnte, will Mönter nicht gelten lassen: Ebenso gut könne man Autobahnen abschaffen, um Raser aus dem Verkehr zu ziehen. Das Problem der Arzneimittelsicherheit könne nur durch Patienteninformation gelöst werden. Aufgeklärte Verbraucher sind nach Meinung des Versandhändlers in der Lage, seriöse Anbieter von „windigen Internethändlern“ zu unterscheiden. Da deutsche Versandapotheken kontinuierlich behördlich überwacht würden und mehr Auflagen zu erfüllen hätten als Apotheken ohne Versanderlaubnis, sieht Mönter keinerlei Risiko: "Die Wahrscheinlichkeit, sich in einer deutschen, zugelassenen Versandapotheke eine gefälschte Arznei zu bestellen, ist Nullkommanull!"

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